„Damit wir aber eine genauere Chronologie liefern, wollen wir mit Gottes Hilfe uns jetzt daran machen, […] auch die [Geschichte] vor der Sintflut durchzugehen, um so nach Möglichkeit die Zahl der gesamten Jahre der Welt uns vorzuführen, indem wir auf den fernsten Anfang der Schöpfung der Welt zurückgehen, die uns Moses, der Diener Gottes, durch den HI. Geist beschrieben hat. Indem er nämlich die Geschichte der Schöpfung und Entstehung der Welt und des ersten Menschen und die folgenden Ereignisse erzählt, gibt er auch die Jahre an, die vor der Sintflut verflossen.“
Quelle: Drei Bücher des heiligen Theophilus, Bischofs von Antiochien, an Autolykus, übersetzt von J. Leitl, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 14, 1913, S. 98.An Autolykus III 23
Verfasst von
Theophilus von Antiochia
Theophilus († um 183 n. Chr.), spätantiker Bischof oder Aufseher und Apologet, ist u. a. durch seine Schrift „An Autolykus“ bekannt. Über Herkunft, Ausbildung und genaue Lebensdaten geben die Quellen nur spärliche Hinweise, doch erscheint er als gebildeter Vertreter der syrisch-antiochenischen Kirche. In seinem Hauptwerk (der dreibändigen Apologie, die sich an einen gebildeten heidnischen Freund namens Autolykus richtet, den Theophilus vom Christentum überzeugen möchte) verbindet er biblische Exegese, Chronologie und Kritik am Heidentum mit einer einfachen, jedoch systematischen Darstellung des christlichen Glaubens. Das Werk setzt bei der Skepsis eines heidnischen Intellektuellen an und möchte aufzeigen, dass der christliche Glaube intellektuell verantwortbar ist. Theophilus wählt daher die Form eines gelehrten Gesprächs, das auf Bildung, Schriftkenntnis und rationaler Argumentation basiert. Grundlegende Themen sind die Wahrheit der biblischen Schöpfungserzählung, eine biblisch begründete Welt- und Menschheitschronologie sowie die Überlegenheit des einen Gottes gegenüber den heidnischen Göttern. Theophilus kritisiert Götterbilder, Mythen und sittliche Defizite des Heidentums und entfaltet demgegenüber ein Verständnis von Gott als Schöpfer, Richter und Quelle der Weisheit. „An Autolykus“ präsentiert das Christentum als vernünftige, moralisch überlegene, geschichtlich fundierte und letztlich wahre Religion. Alle Beiträge von Theophilus von Antiochia anzeigen