Dialog Octavius (Kap. 36,1–2)

„Suche sich niemand mit einem Verhängnis zu trösten oder sein Endschicksal zu entschuldigen. […] [2] Was ist denn das Verhängnis anderes, als was Gott über einen jeden von uns bestimmt hat. Da er unseren Charakter zum voraus kennt, bestimmt er entsprechend den Verdiensten und Eigenschaften der einzelnen auch ihre Geschicke. So wird an uns nicht unser angeborenes Naturell bestraft, sondern unsere Geistesrichtung.“

Dialog Octavius (Kap. 34,10–12)

„Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren oder in Feuchtigkeit sich auflösen oder zu Asche zerfallen oder in Fettdampf sich verflüchtigen, wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da. […] [11] Schau ferner, wie zu unserem Trost die ganze Natur auf die künftige Auferstehung anspielt. Die Sonne geht unter und wieder auf; die Sterne schwinden und kommen wieder, die Blumen sterben ab und leben wieder auf, die Gesträucher bekommen wieder junges Laub, nachdem sie entblättert waren, und nur aus verwestem Samen keimt neues Leben. So ist’s mit dem Körper in der Zeitlichkeit wie mit den Blumen im Winter: sie verbergen frische Lebenskraft hinter scheinbarer Erstarrung. [12] Was verlangst du so ungeduldig, daß er schon bei Winterfrost wiederauflebe und zurückkehre? Wir müssen auch für den Körper den Frühling abwarten.“

Dialog Octavius (Kap. 34,9–10)

„Wer ist übrigens so töricht und beschränkt, um einen Widerstreit gegen den Satz zu wagen, daß der Mensch von Gott ebenso neu geschaffen werden könne, wie er das erste Mal von Gott geschaffen werden konnte […]. Im Gegenteil, es ist schwieriger, dem, was noch nicht ist, einen Anfang zu geben, als das, was bereits vorhanden war, wieder ins Dasein zu rufen. [10] Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren oder in Feuchtigkeit sich auflösen oder zu Asche zerfallen oder in Fettdampf sich verflüchtigen, wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da.“

Dialog Octavius (Kap. 34,10)

„Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren […] oder zu Asche zerfallen […], wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da. Wir fürchten auch nicht […] irgendeinen Verlust durch die Art der Totenbestattung, aber wir üben die altehrwürdige und edlere Sitte der Beerdigung.“