„Siehe, der Herr der Heerscharen, der mit seiner unsichtbaren Macht und Stärke und großen Weisheit die Welt erschuf und in seinem lobwürdigen Ratschlusse seine Schöpfung mit Schönheit umgab und mit seinem mächtigen Wort den Himmel befestigte und die Erde gründete über den Wassern und in der ihm eigenen Weisheit und Vorsicht seine heilige Kirche schuf, die er auch segnete, siehe, er versetzt die Himmel, die Berge, die Hügel und die Meere, und alles wird ebenes Land für seine Auserwählten, damit er ihnen das Versprechen einlöse, das er mit großem Ruhm und großer Freude gegeben, wenn sie nämlich die Satzungen Gottes halten, die sie in großem Vertrauen empfangen haben.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 182.Der Hirte des Hermas (Gesicht 1, Kap. 3,4)
Verfasst von
Hermas
Unter dem Namen Hermas ist der Verfasser eines besonderen frühchristlichen Werks, genannt „Der Hirte des Hermas“, bekannt, das in der frühen Kirche eine gewisse Popularität und Autorität genoss, letztlich jedoch keinen kanonischen Status erreichte. Dem Kanon Muratori (um 170 n. Chr.) zufolge war Hermas leiblicher Bruder von Pius, seinerzeit Aufseher oder Bischof der christlichen Gemeinde in Rom. Sein Werk wurde häufig zusammen mit anderen wichtigen und kanonischen Texten, wie den Evangelien und den Paulusbriefen, gelesen. Über die Identität des Autors ist allerdings nur wenig bekannt. Er war jedoch ein Christ, der vermutlich in Rom lebte. Der „Hirte des Hermas“ wurde um 120 n. Chr. verfasst. Das Werk besteht aus drei Hauptteilen: (1) Visionen – Hermas berichtet von fünf insgesamt, in denen er von verschiedenen himmlischen Wesen belehrt wird (die wichtigste Vision ist die fünfte, in der ihm der „Hirte“ erscheint, der ihm den Rest des Buches diktiert); (2) Gebote – diese Sektion enthält zwölf Mandate, die moralische und ethische Anweisungen für den christlichen Wandel geben, indem sie Themen wie Glauben, Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Geduld und Demut behandeln; (3) Gleichnisse – der letzte Teil beinhaltet zehn Parabeln, die unterschiedliche Aspekte christlichen Lebens und göttlicher Gnade illustrieren. Ein Anliegen dieser Schrift ist die Möglichkeit der Buße und Umkehr – selbst für Christen, die nach ihrer Taufe der Sünde anheimgefallen sind. Das war ein wichtiges Thema in der frühen Kirche, da es Diskussionen darüber gab, wie mit schweren Sünden umzugehen sei. Das Werk legt großen Wert auf ein tugendhaftes Leben und gibt detaillierte Anweisungen, wie Christen in verschiedenen Lebenssituationen handeln sollten. Der „Hirte des Hermas“ gibt somit Hinweise auf Struktur und Leben der frühen christlichen Gemeinschaft, einschließlich der Rolle von Leitern und der Bedeutung der Einheit. Mit der Zeit verlor der „Hirte des Hermas“ zwar an Einfluss, dennoch bleibt dieses Werk ein wertvolles Relikt des frühen Christentums und theologischer sowie ethischer Überlegungen und Überzeugungen der ersten Generationen von Christen. Der Originaltext wurde auf Griechisch verfasst, doch es existieren auch alte lateinische Übersetzungen. Der Stil des Textes ist einfach und klar, was seine Zugänglichkeit für eine breitere Leserschaft erhöhte. Alle Beiträge von Hermas anzeigen