„Als der selige Polykarp zur Zeit des Anicetus in Rom zu Besuch war, […] waren sie sogleich einander wohlgesinnt und wollten nicht, dass irgendein Streit zwischen ihnen über diese Sache [scil. die Beobachtung von Ostern] aufkomme. Denn Anicetus konnte Polykarp nicht dazu bewegen, die Beobachtung [seiner Osterbräuche] aufzugeben, weil diese Dinge stets von Johannes, dem Jünger unseres Herrn, und von anderen Aposteln, mit denen er verkehrt hatte, gehalten worden waren. Polykarp wiederum vermochte Anicetus nicht dahin zu bringen, [Ostern auf seine Weise] zu halten, denn Anicetus behauptete, er sei verpflichtet, an der Praxis der Presbyter festzuhalten, die ihm vorangegangen waren. Und in diesem Zustand der Dinge hatten sie Gemeinschaft miteinander.“
Irenäus (ca. 130–200 n. Chr.), später herausragender christlicher Schriftsteller, war vermutlich in Smyrna (heute Izmir, Türkei) geboren worden, wurde Schüler von Polykarp und ist als Missionar nach Lyon, Gallien, gelangt. Nach dem Tod des Aufsehers Pothinus wurde er 178 n. Chr. zum Aufseher der christlichen Gemeinde von Lyon. In einer Zeit intensiver Christenverfolgung festigte er die Gemeinde und engagierte sich gegen gnostische Irrlehren. Sein Hauptwerk „Gegen die Häresien“ gilt als erste systematische Widerlegung des Gnostizismus und grundlegende Zusammenfassung apostolischen Glaubens. Irenäus betont darin die Einheit der weltweiten Gemeinde, die Bedeutung der heiligen Schriften und hebt die „Regel des Glaubens“ (einheitliche Überlieferung in christlichen Gemeinden) als Maßstab dafür hervor, was als wahrheitsgemäß einzuordnen ist – im Unterschied zu diversen sich gegenseitig widersprechenden gnostischen Philosophien.