„Als der selige Polykarp zur Zeit des Anicetus in Rom zu Besuch war, […] waren sie sogleich einander wohlgesinnt und wollten nicht, dass irgendein Streit zwischen ihnen über diese Sache [scil. die Beobachtung von Ostern] aufkomme. Denn Anicetus konnte Polykarp nicht dazu bewegen, die Beobachtung [seiner Osterbräuche] aufzugeben, weil diese Dinge stets von Johannes, dem Jünger unseres Herrn, und von anderen Aposteln, mit denen er verkehrt hatte, gehalten worden waren. Polykarp wiederum vermochte Anicetus nicht dahin zu bringen, [Ostern auf seine Weise] zu halten, denn Anicetus behauptete, er sei verpflichtet, an der Praxis der Presbyter festzuhalten, die ihm vorangegangen waren. Und in diesem Zustand der Dinge hatten sie Gemeinschaft miteinander.“
Quartodezimanismus
Mit „Quartodezimanismus“ wird in der Alten Kirche die Praxis bezeichnet, das christliche Osterfest als Gedächtnis von Jesu Leiden und Tod strikt am 14. Nisan nach jüdischem Kalender zu feiern – unabhängig davon, auf welchen Wochentag dieses Datum fällt. (Hintergrund ist, dass Jesus am 14. Nisan und damit an dem Tag gestorben ist, an dem die Passalämmer geschlachtet worden sind.) Der Name leitet sich vom lateinischen „quartadecimus“ (vierzehnter) her und spielt auf eine entsprechende Formulierung in Levitikus 23,5 gemäß der Vulgata an. Vertreter dieser Praxis, allem voran in Kleinasien (u. a. Polykarp von Smyrna und später Polykrates von Ephesus), berufen sich auf eine apostolische Tradition des Johannes und anderer „großer Lichter“ Asiens. Rom und andere Gemeinden halten dagegen die Feier der Auferstehung grundsätzlich am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fest und lehntn eine Bindung an den jüdischen Passatermin ab. Der sogenannte Quartodezimanerstreit eskalierte im 2. Jh., wurde jedoch im Kern durch das Konzil von Nicäa (325) entschieden, das die sonntägliche Osterfeier und eine Unabhängigkeit vom jüdischen Kalender festlegte, womit der Quartodezimanismus (obgleich ursprünglich) im kirchlichen „Mainstream“ weitgehend verschwand.
Widerlegung aller Häresien VIII 18
abgefasst um 225 n. Chr. von Hippolyt von Rom„Andere wieder […] stellen auf, man müsse Ostern am vierzehnten Tag des ersten Monats halten nach der Offenbarung des Gesetzes [Exodus 12,18], auf was immer für einen Tag es falle […]“