„Nicht unsterblich, ihr Bekenner des Griechentums, ist unsere ‚Seele‘ an sich, sondern sterblich: sie kann aber trotzdem dem Tode entrinnen. Denn sie stirbt und erfährt zusammen mit dem Körper ihre Auflösung, wenn sie die Wahrheit nicht erkannt hat; später, am Ende des Weltlaufs, steht sie freilich mit dem Körper auf […]: dagegen stirbt sie überhaupt nicht, mag auch ihre zeitweilige Auflösung erfolgen, wenn sie mit der Erkenntnis Gottes ausgerüstet ist.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 40–41/214–215.Rede an die Bekenner des Griechentums (Kap. 13)
Verfasst von
Tatian der Assyrer
Tatian (ca. 120–173 n. Chr.) stammte aus Assyrien, vermutlich der Region um Adiabene. Nach seiner Ausbildung in griechischer Rhetorik kam er nach Rom, wo er Schüler Justins des Märtyrers (ca. 100–165 n. Chr.) wurde und den christlichen Glauben annahm. Bekannt ist Tatian für seine „Rede an die Bekenner des Griechentums“, eine Kritik an griechischer Philosophie und Kultur, sowie das „Diatessaron“, eine Evangelienharmonie. Nach Justins Tod verließ Tatian Rom, geriet jedoch wegen seiner strengen asketischen Lehren in Konflikt mit der westlichen Kirche, weshalb er von manchen als Häretiker eingestuft wurde. Er starb vermutlich in Syrien. Alle Beiträge von Tatian der Assyrer anzeigen