„Nicht unsterblich, ihr Bekenner des Griechentums, ist unsere ‚Seele‘ an sich, sondern sterblich: sie kann aber trotzdem dem Tode entrinnen. Denn sie stirbt und erfährt zusammen mit dem Körper ihre Auflösung, wenn sie die Wahrheit nicht erkannt hat; später, am Ende des Weltlaufs, steht sie freilich mit dem Körper auf […]: dagegen stirbt sie überhaupt nicht, mag auch ihre zeitweilige Auflösung erfolgen, wenn sie mit der Erkenntnis Gottes ausgerüstet ist.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 40–41/214–215.Auferstehung
Nach alttestamentlicher Darstellung sind Tod und Totenreich Gottes Macht zwar nicht entzogen (Deuteronomium 32,39; 1. Samuel 2,6), dennoch gilt, dass der Bereich der Toten eine Trennung von Gott und damit vom Leben bedeutet (vgl. Psalm 6,6 u. a.). Nur gelegentlich klingt die Hoffnung an, dass Gott einem Einzelnen auch über den Tod hinaus Leben schenken könnte – ein Leben, das noch erfüllter wäre als das gegenwärtige (Psalm 16,8–11; 73,23–26; vgl. Weisheit 2,21–5,16).
Der ausdrückliche Glaube an eine Auferstehung der Toten begegnet uns mit Ausnahme des Buches Hiob (etwa in Kap. 14,13–15) erst in den apokalyptischen Visionen des Buches Daniel (Kap. 12,2–3; vgl. 2. Makkabäer 7,9; 12,43–44). Dagegen beziehen sich Stellen wie Jesaja 26,19 und Ezechiel 37,1–14 sinnbildlich auf die Wiederherstellung Israels nach dessen Zerstreuung unter die Heidenvölker. Auferstehung als eschatologischer Vorgang zielt auf das ewige Leben der durch Glauben Gerechten in inniger Gemeinschaft mit Gott in seiner neuen Schöpfung und meint nicht einfach ein Zurückkehren in die alte, vergängliche Wirklichkeit.
Vor diesem alttestamentlichen Hintergrund versteht das Neue Testament Jesu Auferstehung als entscheidende endzeitliche Tat Gottes: Sie markiert den Beginn der Auferstehung aller, die an Jesus Christus glauben, und begründet somit die Hoffnung auf die eigene Auferstehung zum ewigen Leben (Johannes 11,25–26; Apostelgeschichte 4,2; 1. Korinther 15,1–28; Kolosser 1,18; 1. Thessalonicher 4,13–14). Durch Jesu Auferstehung hat Gott sich zu ihm, dem Gekreuzigten, bekannt und ihn als den beglaubigt, in welchem sich das Heil der Menschheit vollendet (Matthäus 28,18–20; Apostelgeschichte 2,36; Römer 1,4).
Neben der Auferstehung zum ewigen Leben bei Jesu Wiederkunft gibt es die zum Gericht (Daniel 12,2; Johannes 5,28–29) nach dem Millennium, die (insofern sie zur Verurteilung führt) den zweiten und somit endgültigen Tod nach sich zieht (Offenbarung 20,12–15).
An Autolykus I 7
„Wenn du die Sterblichkeit wirst abgelegt und die Unsterblichkeit angezogen haben, dann wirst du Gott in entsprechender Weise schauen. Denn Gott wird deinen Leib auferwecken, unsterblich mit deiner Seele, und dann wirst du, selbst unsterblich geworden, den Unsterblichen schauen, wenn du jetzt an ihn glaubst […]“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 14, Kempten/München 1913, S. 18.Dialog Octavius (Kap. 34,10–12)
„Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren oder in Feuchtigkeit sich auflösen oder zu Asche zerfallen oder in Fettdampf sich verflüchtigen, wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da. […] [11] Schau ferner, wie zu unserem Trost die ganze Natur auf die künftige Auferstehung anspielt. Die Sonne geht unter und wieder auf; die Sterne schwinden und kommen wieder, die Blumen sterben ab und leben wieder auf, die Gesträucher bekommen wieder junges Laub, nachdem sie entblättert waren, und nur aus verwestem Samen keimt neues Leben. So ist’s mit dem Körper in der Zeitlichkeit wie mit den Blumen im Winter: sie verbergen frische Lebenskraft hinter scheinbarer Erstarrung. [12] Was verlangst du so ungeduldig, daß er schon bei Winterfrost wiederauflebe und zurückkehre? Wir müssen auch für den Körper den Frühling abwarten.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 14, Kempten/München 1913, S. 74/196.Dialog Octavius (Kap. 34,9–10)
„Wer ist übrigens so töricht und beschränkt, um einen Widerstreit gegen den Satz zu wagen, daß der Mensch von Gott ebenso neu geschaffen werden könne, wie er das erste Mal von Gott geschaffen werden konnte […]. Im Gegenteil, es ist schwieriger, dem, was noch nicht ist, einen Anfang zu geben, als das, was bereits vorhanden war, wieder ins Dasein zu rufen. [10] Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren oder in Feuchtigkeit sich auflösen oder zu Asche zerfallen oder in Fettdampf sich verflüchtigen, wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 14, Kempten/München 1913, S. 73–74/195–196.Über die Auferstehung des Fleisches (Kap. 27)
„Wenn wir lesen: ‚Tritt ein mein Volk, in deine Vorratskammern … einen Augenblick, bis mein Zorn vorüber ist‘ [Jesaja 26,20], so werden die Vorratskammern wohl die Gräber sein, in welchen diejenigen eine kurze Zeit zu ruhen haben, die am Ende der Welt unter dem letzten Zorne durch die Gewalt des Antichrists umkommen. […] Denn aus den Vorratskammern wird nichts anderes herausgeholt, als was hineingetragen wurde, und die Auferstehung wird nach der Vertilgung des Antichrists vor sich gehen.“
Quelle: Tertullians sämtliche Schriften, Bd. 2, übersetzt von Dr. Karl Adam Heinrich Kellner, 1882, S. 455.