„Wer ist übrigens so töricht und beschränkt, um einen Widerstreit gegen den Satz zu wagen, daß der Mensch von Gott ebenso neu geschaffen werden könne, wie er das erste Mal von Gott geschaffen werden konnte […]. Im Gegenteil, es ist schwieriger, dem, was noch nicht ist, einen Anfang zu geben, als das, was bereits vorhanden war, wieder ins Dasein zu rufen. [10] Du meinst, es gehe etwas auch für Gott verloren, wenn es unseren schwachen Augen entrückt ist? Jeder Körper, mag er nun zu Staub verdorren oder in Feuchtigkeit sich auflösen oder zu Asche zerfallen oder in Fettdampf sich verflüchtigen, wird bloß uns entzogen, aber für Gott, den Erhalter der Elemente, ist er noch da.“
Minucius Felix (ca. 170–215 n. Chr.) war ein frühchristlicher lateinischer Apologet und als solcher tätig um 200 n. Chr. in Rom. Er war von Beruf Rechtsanwalt (Advocatus), vermutlich afrikanischer Herkunft, und bewegte sich in gebildeten römischen Kreisen. Sein einziges erhaltenes Werk ist der Dialog Octavius – ein in eleganter ciceronianischer Prosa verfasstes apologetisches Gespräch zwischen den Freunden Caecilius (einem Heiden) und Octavius (einem Christen), dessen Erzähler Minucius Felix selbst ist.
Der Dialog Octavius entstand wahrscheinlich nach 197 n. Chr., da er das Werk „Apologetikum“ des Tertullian von Karthago (ca. 160–230 n. Chr.) voraussetzt, und vor Cyprian von Karthago (ca. 200–258 n. Chr.), der ihn wiederum benutzt. Über das Leben von Minucius Felix, seine Bekehrung oder ein mögliches kirchliches Amt, ist im Weiteren sonst nichts sicher überliefert; spätere Nachrichten sind unsicher oder legendarisch.