„Suche sich niemand mit einem Verhängnis zu trösten oder sein Endschicksal zu entschuldigen. […] [2] Was ist denn das Verhängnis anderes, als was Gott über einen jeden von uns bestimmt hat. Da er unseren Charakter zum voraus kennt, bestimmt er entsprechend den Verdiensten und Eigenschaften der einzelnen auch ihre Geschicke. So wird an uns nicht unser angeborenes Naturell bestraft, sondern unsere Geistesrichtung.“
Minucius Felix (ca. 170–215 n. Chr.) war ein frühchristlicher lateinischer Apologet und als solcher tätig um 200 n. Chr. in Rom. Er war von Beruf Rechtsanwalt (Advocatus), vermutlich afrikanischer Herkunft, und bewegte sich in gebildeten römischen Kreisen. Sein einziges erhaltenes Werk ist der Dialog Octavius – ein in eleganter ciceronianischer Prosa verfasstes apologetisches Gespräch zwischen den Freunden Caecilius (einem Heiden) und Octavius (einem Christen), dessen Erzähler Minucius Felix selbst ist.
Der Dialog Octavius entstand wahrscheinlich nach 197 n. Chr., da er das Werk „Apologetikum“ des Tertullian von Karthago (ca. 160–230 n. Chr.) voraussetzt, und vor Cyprian von Karthago (ca. 200–258 n. Chr.), der ihn wiederum benutzt. Über das Leben von Minucius Felix, seine Bekehrung oder ein mögliches kirchliches Amt, ist im Weiteren sonst nichts sicher überliefert; spätere Nachrichten sind unsicher oder legendarisch.