„Denn unser Gott, Jesus der Christus, wurde von Maria empfangen, nach dem Heilsplan Gottes zwar aus dem Samen Davids, aber vom Heiligen Geiste; er wurde geboren und getauft, damit er durch das Leiden das Wasser reinige.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 124.Inkarnation
Grundsätzlich gilt, dass Jesus Christus infolge der Inkarnation (Fleischwerdung) in einer „Doppelnatur“ existiert: Göttliche und menschliche Natur wurden in ihm als dem Fleisch gewordenen Logos (Wort) so vereinigt, dass ihre jeweiligen Eigenheiten zwar erhalten blieben, bei allem, was ihm widerfuhr, jedoch stets seine ganze Person betroffen war. Es wäre beispielsweise nicht möglich, die beiden nun zur Natur des Fleisch gewordenen Logos vereinten Seiten voneinander zu trennen, ohne Jesu Person zu „zerreißen“.
Darum sind Aussagen wie: „Seine menschliche Natur ist gestorben, seine göttliche nicht“, inhaltlich nicht akkurat. Jesus (als Person) ist gestorben, nicht ein einzelner wesenhafter Aspekt von ihm. Da Göttlichkeit als solche nicht sterben kann, Jesus als Person jedoch sowohl im Göttlichen als auch im Menschlichen existiert, konnte er als Person sterben – er machte die Trennung dessen, was geistig, von dem, was physisch ist, durch. Nichts anderes als das ist zunächst der Tod und vor diesem Hintergrund kann von Gott Jahwe, Mensch geworden, gesagt werden, dass er „durchbohrt“ worden sei (Sacharja 12,10) – zu sagen, dass der „Sohn Gottes“ am Kreuz gestorben sei (Galater 2,20; Hebräer 6,6; 10,29), ist ebenso korrekt wie zu sagen, dass der „Menschensohn“ gestorben sei (Matthäus 20,28; Markus 10,45).
Es ist wichtig, zu verstehen, dass Jesus nicht Gott oder Mensch ist, sondern Mensch gewordener Gott. Wie soll man ihn nun nennen? Einen göttlichen Menschen? Einen menschlichen Gott? Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass der Apostel Paulus in diesem Zusammenhang von einem „Geheimnis“ spricht (1. Timotheus 3,16).
Apologie (Kap. 2,6)
„Die Christen nun leiten ‚ihre Abkunft‘ von Jesus Christus her. Dieser wird der Sohn des höchsten Gottes genannt, und es heißt (von ihm), daß er (als) Gott vom Himmel niederstieg und von einer hebräischen Jungfrau Fleisch nahm und anzog, und (daß so) in einer Menschentochter der Sohn Gottes Wohnung nahm.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 28.Zweite Apologie 5 [6]
„Sein Sohn aber, der allein im eigentlichen Sinne sein Sohn heißt, der Logos, der vor aller Schöpfung in ihm war und der gezeugt wurde, als er im Anfange alles durch ihn schuf und ordnete, wird Christus genannt, weil er gesalbt wurde und Gott durch ihn alles ordnete, […] er ist Mensch geworden, nach dem Willen Gottes des Vaters zur Welt gekommen für die gläubigen Menschen und zum Sturze der Dämonen, wie ihr noch jetzt aus dem ersehen könnt, was vor euren Augen geschieht.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 90/144.