„Siehe, der Herr der Heerscharen, der mit seiner unsichtbaren Macht und Stärke und großen Weisheit die Welt erschuf und in seinem lobwürdigen Ratschlusse seine Schöpfung mit Schönheit umgab und mit seinem mächtigen Wort den Himmel befestigte und die Erde gründete über den Wassern und in der ihm eigenen Weisheit und Vorsicht seine heilige Kirche schuf, die er auch segnete, siehe, er versetzt die Himmel, die Berge, die Hügel und die Meere, und alles wird ebenes Land für seine Auserwählten, damit er ihnen das Versprechen einlöse, das er mit großem Ruhm und großer Freude gegeben, wenn sie nämlich die Satzungen Gottes halten, die sie in großem Vertrauen empfangen haben.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 182.Vorsehung
Gottes Vorsehung verstanden die frühen Christen dahingehend, dass Gott den Verlauf geschichtlicher Ereignisse dergestalt regelt, dass die Ziele, die zu erreichen er sich vorgenommen hat, mit Sicherheit erreicht werden.
Dass Gott die Welt in weiser Vorsehung regiert, hebt dabei die Verantwortlichkeit vernunftbegabter Geschöpfe für ihr Tun und Lassen nicht auf – die handelnden Akteure sind und bleiben auf eine Art und Weise frei, dass sie für ihr Handeln verantwortlich sind, und tun nicht, was sie tun, weil Gott ihnen keine andere Wahl lassen würde (wie es verschiedene Philosophen und Gnostiker behaupteten); dass Gott im Voraus weiß, wer unter welchen Umständen wie handeln wird, determiniert dieses Handeln nicht (ebenso wenig, wie die Prognose eines Meteorologen hinsichtlich der Entwicklung des Wetters verantwortlich für einen Sturm ist, der sich zusammenbraut).
Vorsehung und auch Vorherbestimmung meinte im urchristlichen Kontext also etwas anderes als einen fatalistischen Determinismus – und auch etwas anderes als das, was später im Zuge der Reformationszeit einen Teil der Christenheit in „Calvinisten“ und „Arminianer“ gespalten hat.
Gott kommt zu seinem erklärten Ziel und für ihn gibt es keine Überraschungen. In seiner weisen Vorsehung sorgt er dafür, dass alles eintritt, was eintreten muss, damit seine Ziele zustande kommen, und nichts eintritt, was verhindern würde, dass seine Ziele zustande kommen. So hebt Gottes Souveränität über das Weltgeschehen weder die menschliche Willensfreiheit und Handlungsverantwortung auf, noch wird Gottes Souveränität über das Weltgeschehen durch die menschliche Willensfreiheit und Handlungsverantwortung in irgendeiner Art und Weise beeinträchtigt.
Rede an die Bekenner des Griechentums (Kap. 7,4)
„Da aber die Kraft des Logos die Fähigkeit an sich hat, das vorauszusehen, was in Zukunft nicht durch das Fatum, sondern durch die freie Entschließung der Wählenden geschehen werde, so sagte er den Verlauf der kommenden Ereignisse voraus […]“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 30/204.Gegen die Häresien II 33,5
„Wenn daher die Zahl, die er selbst bei sich vorherbestimmt hat, voll geworden ist, dann werden alle, die [im Buche des Lebens] eingetragen sind, zum Leben auferstehen […], damit durch die Vollendung der von Gott vorherbestimmten […] Zahl der Menschen die Anordnung des Vaters erfüllt werde.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 3, Kempten/München 1912, S. 202.Gegen die Häresien IV 29,2
„Da nun Gott alles vorausweiß, so überläßt er die, von denen er weiß, daß sie nicht glauben werden, ihrem Unglauben, wendet sein Angesicht von solchen ab und läßt sie in der Finsternis zurück, die sie sich selbst erwählt haben.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 3, Kempten/München 1912, S. 96/418.Teppiche VI 9,76
„[…] denn es geziemt sich wirklich nicht, daß der Freund Gottes, den Gott vor Erschaffung der Welt im voraus dazu bestimmt hat, daß er in die vollkommene Kindschaft aufgenommen werde, noch in Regungen von Lust oder Furcht verfällt und sich mit der Bekämpfung seiner Leidenschaften abmühen muß.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Bd. 19, München 1937, S. 288.Über den weiblichen Putz II 9
„Wir sind von Gott vor Erschaffung der Welt für das Ende der Zeiten bestimmt.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 7, Kempten/München 1912, S. 197.Dialog Octavius (Kap. 36,1–2)
„Suche sich niemand mit einem Verhängnis zu trösten oder sein Endschicksal zu entschuldigen. […] [2] Was ist denn das Verhängnis anderes, als was Gott über einen jeden von uns bestimmt hat. Da er unseren Charakter zum voraus kennt, bestimmt er entsprechend den Verdiensten und Eigenschaften der einzelnen auch ihre Geschicke. So wird an uns nicht unser angeborenes Naturell bestraft, sondern unsere Geistesrichtung.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 14, Kempten/München 1913, S. 76/198.Vom Gebet (Teil 1, Kap. 6, Abschnitt 3)
„Und in allen seinen vorherigen Anordnungen hat Gott entsprechend seiner Voraussicht einer jeden (künftigen) Tat des freien Willens für eine jede Regung desselben das nach Verdienst vorher bestimmt, was ihr auch seitens der Vorsehung zuteil werden, ferner aber auch nach dem Zusammenhang der künftigen Dinge begegnen wird, wobei für alle künftigen und durch den freien Willen entsprechend unserm Antrieb künftig bewirkten Dinge nicht das Vorauswissen Gottes Ursache ist.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 48, München 1926, S. 28.