Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft IV 1,7

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Denn wenn die abgedroschenen menschli­chen Beweismittel, in die biblischen Bücher gelegt, die Menschen zu überzeugen vermocht hätten, so würde unser Glaube mit Recht als Menschenweisheit und nicht als Gotteskraft an­gesehen. Nun aber sieht jeder, der nur die Augen öffnen will, klar, daß die Predigt des Wortes nicht durch Ueberredungskünste der Weisen, sondern durch den Erweis von Geist und Kraft unter dem Volke durchgedrungen ist. […] Jene Weisheit aber wird uns klar aufgehen in der Offenbarung des Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten verschwiegen blieb, nun aber geoffen­bart ist durch die prophetischen Schriften und durch die Erscheinung unsers Herrn und Hei­lands Jesu Christi, welchem die Ehre sey in alle Ewigkeiten.“

Vom Gebet (Teil 1, Kap. 6, Abschnitt 3)

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Und in allen seinen vorherigen Anordnungen hat Gott entsprechend seiner Voraussicht einer jeden (künftigen) Tat des freien Willens für eine jede Regung desselben das nach Verdienst vorher bestimmt, was ihr auch seitens der Vorsehung zuteil werden, ferner aber auch nach dem Zusammenhang der künftigen Dinge begegnen wird, wobei für alle künftigen und durch den freien Willen entsprechend unserm Antrieb künftig bewirkten Dinge nicht das Vorauswissen Gottes Ursache ist.“

Origenes’ Kommentar zu Johannes X 4

abgefasst um 228 n. Chr. von Origenes

„Marcion, so denke ich, hat die heilsamen Worte in verkehrtem Sinne genommen, als er die Geburt Jesu aus Maria verworfen und behauptet hat, nach seiner göttlichen Natur sei er nicht aus Maria geboren. Darum hat er kühn die Stellen aus dem Evangelium getilgt, die solches bezeugen. Und ein gleiches Los scheinen jene erlitten zu haben, die seine Menschheit verwerfen und allein seine Gottheit annehmen. Wiederum aber gibt es andere, die in das entgegengesetzte Extrem verfallen, indem sie seine Gottheit leugnen und behaupten, er sei nur ein heiliger Mensch und der gerechteste unter allen Menschen gewesen.“

Origenes an Africanus

abgefasst um 240 n. Chr. von Origenes

„Lasst uns nun sehen, ob wir in diesen Fällen nicht zu dem Schluss gezwungen sind, dass, während der Heiland einen wahren Bericht über [gewisse Ereignisse] gibt, doch keine der Schriften gefunden werden kann, die beweisen könnten, wovon Er spricht. […] ‚Wenn wir in den Tagen unserer Väter gewesen wären, hätten wir nicht mit ihnen Anteil gehabt am Blut der Propheten.‘ [Matthäus 23,30.] Am Blut welcher Propheten, kann mir das jemand sagen? Denn wo finden wir etwas Derartiges geschrieben über Jesaja, Jeremia, Daniel oder irgendeinen der Zwölf [kleineren Propheten]? Was ist mit Zacharia, dem Sohn Barachias, der zwischen dem Tempel und dem Altar erschlagen wurde? Das erfahren wir nur von Jesus und wissen es sonst aus keiner Schrift. Dementsprechend halte ich keine andere Annahme für möglich, als dass jene, die den Ruf der Weisheit hatten, zusammen mit den Fürsten und Ältesten, jedes Schriftstück aus der Mitte des Volkes entfernten, das geeignet gewesen wäre, die Ältesten in Misskredit beim Volk zu bringen. Wir sollten uns also nicht wundern, dass diese Geschichte vom bösen Plan der zügellosen Ältesten gegen Susanna [Daniel 13] wahr ist. Doch sie wurde aus den Schriften entfernt von Männern, die selbst nicht sehr weit entfernt waren vom Rat solcher Ältesten.“