Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft IV 1,7

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Denn wenn die abgedroschenen menschli­chen Beweismittel, in die biblischen Bücher gelegt, die Menschen zu überzeugen vermocht hätten, so würde unser Glaube mit Recht als Menschenweisheit und nicht als Gotteskraft an­gesehen. Nun aber sieht jeder, der nur die Augen öffnen will, klar, daß die Predigt des Wortes nicht durch Ueberredungskünste der Weisen, sondern durch den Erweis von Geist und Kraft unter dem Volke durchgedrungen ist. […] Jene Weisheit aber wird uns klar aufgehen in der Offenbarung des Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten verschwiegen blieb, nun aber geoffen­bart ist durch die prophetischen Schriften und durch die Erscheinung unsers Herrn und Hei­lands Jesu Christi, welchem die Ehre sey in alle Ewigkeiten.“

Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III 4,3

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Wir haben den Grundsatz, daß Gott nicht mit der sichtbaren Welt sein Schaffen begonnen habe, sondern daß vor dieser Welt eine andere gewesen sey, und nach ihr eine andere kommen werde. Willst du den Beweis, daß nach der Zerstörung dieser Welt eine neue seyn wird, so höre den Jesaja: (66, 22.) [,]es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde seyn, die ich vor mir erstehen lasse.‘ Willst du wissen, ob vor der Schöpfung dieser Welt andere Welten waren: vernimm, was der Prediger (1, 9. 10.) spricht: ‚Was ist es, das vorher war? Eben das, was hernach seyn wird. Was ist es, das früher geschaffen wurde? Eben das, was hernach geschaffen werden wird. Es geschieht auch nichts Neues unter der Sonne. Wer möchte sagen: das ist neu? Es ist schon gewesen in den Zeitläufen (Aeonen), die vor uns waren.[‘] Diese Zeugnisse beweisen, daß nicht bloß vor dieser Welt andere waren, sondern auch nach ihr wieder andere seyn werden. Uebrigens ist dieses nicht so zu verstehen, als ob alle diese Welten zugleich wären, sondern es folgt eine nach der andern.“