Aristides von Athen

Aristides (ca. 50–134) zählt zu den frühesten christlichen Apologeten, die uns namentlich bekannt sind. Über sein Leben ist nur wenig überliefert. Er wirkte in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts und stammte aus Athen, einem geistigen Zentrum der griechisch-römischen Welt. Eusebius von Cäsarea (ca. 260–340) beschreibt ihn als einen Mann, der dem christlichen Glauben ergeben war; Hieronymus (ca. 348/49–420) bezeichnet ihn als einen Philosophen. Offenbar verstand sich Aristides auch nach seiner Hinwendung zum Christentum weiterhin als ein solcher.

Bekannt ist er vor allem durch seine Apologie, eine Verteidigung des christlichen Glaubens, die an einen römischen Kaiser gerichtet war. Nach Eusebius überreichte Aristides die Schrift Kaiser Hadrian (76–138). Die Textüberlieferung bietet allerdings ein anderes Bild: In der syrischen Fassung erscheint Antoninus Pius (86–161) als Adressat. Wann die Apologie genau entstand, lässt sich daher nicht mit Sicherheit bestimmen. Häufig wird sie um 124/125 datiert; eine Abfassung unter Antoninus Pius bleibt möglich.

In seiner Schrift setzt sich Aristides mit den religiösen Vorstellungen seiner Umwelt auseinander. Seine Kritik am heidnischen Götterglauben setzt allem voran bei den Eigenschaften der verehrten Gottheiten an. Wesen, die vergänglich sind, ungezügelte Leidenschaften besitzen und menschlichen Schwächen unterliegen, können für ihn keine wahren Götter sein. Demgegenüber beschreibt er den einen Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt. Das Judentum beurteilt Aristides günstiger als die heidnischen Religionen, die volle Erkenntnis des wahren Gottes sieht er jedoch bei den Christen.

Ausführlich schildert er auch deren Lebensführung. Christen erscheinen bei ihm als Menschen, die wahrhaftig leben, Reinheit wahren, sich um Bedürftige kümmern und gastfreundlich sind. Er berichtet sogar davon, dass sie selbst fasten, damit Bedürftige zu essen haben. Für Aristides gehört ein solches Leben unmittelbar zur Glaubwürdigkeit des christlichen Bekenntnisses.

Lange kannte man seine Apologie lediglich aus Hinweisen antiker Autoren. Im 19. Jahrhundert kamen zunächst armenische Fragmente ans Licht, später wurde eine syrische Fassung entdeckt. Schließlich zeigte sich, dass große Teile des griechischen Textes in der mittelalterlichen Erzählung „Barlaam und Josaphat“ erhalten geblieben waren. Auf diese Weise wurde eine der ältesten überlieferten Verteidigungsschriften des Christentums wieder zugänglich.

Zitate von Aristides