Hieronymus

Hieronymus (ca. 348/49–420) gehört zu den einflussreichsten Gelehrten der lateinischen Kirche. Er wurde in Stridon geboren, einem Ort an der Grenze zwischen Dalmatien und Pannonien. Seine Familie war christlich und offenbar wohlhabend genug, ihm eine gründliche Ausbildung zu ermöglichen. In Rom studierte er Grammatik, Rhetorik und die klassische Literatur. Taufen ließ er sich erst als junger Erwachsener.

Nach Jahren des Studiums und Reisens gelangte Hieronymus in den Osten des Römischen Reiches. Eine Zeitlang lebte er asketisch in der syrischen Wüste bei Chalkis. Dort widmete er sich intensiv dem Hebräischen. Später wurde er in Antiochia zum Presbyter geweiht. In Konstantinopel begegnete er Gregor von Nazianz (ca. 329–390) und vertiefte seine Kenntnisse der griechischen Theologie.

Von 382 bis 385 hielt sich Hieronymus wieder in Rom auf. Der dortige Bischof, Damasus I. (ca. 305–384), zog ihn als Gelehrten und Sekretär heran und beauftragte ihn mit der Revision der vorhandenen lateinischen Bibelübersetzungen. Aus diesem Auftrag erwuchs sein Lebenswerk. Hieronymus übersetzte große Teile des Alten Testaments unmittelbar aus dem Hebräischen und überarbeitete die lateinische Fassung des Neuen Testaments. Seine Arbeiten gingen später in die sogenannte Vulgata ein, die das westliche Christentum über Jahrhunderte prägte.

Nach dem Tod von Damasus verließ Hieronymus Rom. Gemeinsam mit Paula von Rom (347–404), einer wohlhabenden römischen Christin und Förderin seiner Arbeit, zog er nach Bethlehem. Dort ließ er sich 386 dauerhaft nieder und leitete ein Männerkloster. Bis zu seinem Tod arbeitete er an Bibelübersetzungen und Kommentaren, verfasste theologische Streitschriften und führte eine umfangreiche Korrespondenz.

Hieronymus war scharfzüngig und streitbar. In den Auseinandersetzungen seiner Zeit, etwa über Askese, Jungfräulichkeit und Origenes (ca. 185–255), griff er seine Gegner bisweilen heftig an. Seine sprachlichen und philologischen Kenntnisse waren zugleich für seine Zeit außergewöhnlich. Hieronymus starb in Bethlehem. Seine Schriften und Übersetzungen übten einen weitreichenden Einfluss auf die lateinische Bibelauslegung und die spätere Theologie des Mittelalters aus.

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