„[…] tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit lebendigem Wasser. [2] Wenn du aber kein lebendiges Wasser hast, taufe in anderem Wasser. Wenn du aber nicht mit kaltem Wasser (taufen) kannst, (dann) mit warmem. [3] Wenn du aber beides nicht hast, dann gieße auf den Kopf dreimal Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. [4] Vor der Taufe aber sollen der Täufer und der Täufling fasten und wenn möglich einige andere. Du befiehlst aber dem Täufling, vorher zu fasten einen oder zwei (Tage).“
Quelle: Die Apostolischen Väter. Griechisch-deutsche Parallelausgabe, übersetzt und herausgegeben von Andreas Lindemann und Henning Paulsen, Tübingen 1992, S. 13.Taufe
Die frühen Christen besaßen ein tiefes und existenzielles, ja Identität stiftendes Verständnis von Taufe – weit stärker, als es in nicht wenigen Teilen der heutigen Christenheit der Fall ist.
Für die Christen des 1. und des 2. Jh. n. Chr. war die Taufe keineswegs „nur“ ein mögliches „Bekenntnis“ von vielen möglichen Bekenntnissen „vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt“. Vielmehr begegnete sie ihnen als Sakrament, in welchem sich eine geistliche Wirklichkeit vollzog: Zuspruch der Sündenvergebung, Versiegelung mit dem Heiligen Geist und Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden. Vielerlei Zeugnisse frühchristlicher Schriftsteller (etwa von Justin dem Märtyrer, Irenäus von Lyon, Tertullian von Karthago und Origenes) bestätigen, dass dies das Verständnis der Kirche von Taufe war. Sie galt als „Tor zum Leben“ – als entscheidender Schritt, eine neue Existenz „in Christus“ zu beginnen. Der übliche Rahmen der Taufhandlung selbst spiegelte dieses Verständnis wider.
Die früheste christliche Praxis bevorzugte vollständiges Untertauchen in fließendem Wasser, ab dem 2. Jh. n. Chr. setzte sich das Übergießen des im Wasser stehenden Täuflings als übliche Form der Taufe durch. Das Ritual symbolisierte nicht lediglich Reinigung von Sünden, sondern auch Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu Christi. Die Christen waren überzeugt, dass mit der Taufe ein wirkliches geistliches Geschehen stattfand – nicht allein eine öffentliche „Bekräftigung“ des Glaubens.
Die Taufe, eng verbunden mit Glauben und Umkehr, galt als Voraussetzung für die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft und damit als Eingliederung in den „Leib Christi“, womit sie als wirklich Heil vermittelnd verstanden wurde. Während die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Säuglings- bzw. Kindertaufe in späteren innerkirchlichen Diskussionen an Bedeutung gewann, ist in den frühesten Zeugnissen der Kirche vor allem die Taufe zum Glauben gekommener Erwachsener oder zumindest mündig gewordener Menschen als normativ zu erkennen.
Mit der Tauflehre der frühen Christen wird ein Bild eines sakramentalen Wendepunkts gezeichnet – eines gnadenvollen und handgreiflichen Geschehens. Die Taufe war für die frühen Christen ein im Regelfall unverzichtbarer Schritt zur Bestätigung der Rettung, Vergewisserung der Reinigung und Aufnahme in die Kirche. Damit steht das urchristliche Taufverständnis in spürbarem Kontrast zu manch späterer Entwicklung.
Barnabasbrief (Kap. 11,1)
„Untersuchen wir aber, ob es dem Herrn gefallen hat, im voraus über das Wasser und das Kreuz Offenbarung zu geben. Über das Wasser ist nämlich in bezug auf Israel geschrieben, wie sie die Taufe, die Sündenvergebung bringt, nicht annehmen, sondern sich selbst (etwas) bauen werden.“
Quelle: Die Apostolischen Väter. Griechisch-deutsche Parallelausgabe, übersetzt und herausgegeben von Andreas Lindemann und Henning Paulsen, Tübingen 1992, S. 53.Barnabasbrief (Kap. 11,8.11)
„Selig (sind die), die in der Hoffnung auf das Kreuz in das Wasser hinabgestiegen sind […]: Voll Sünden und Schmutz steigen wir in das Waser hinab, und wir steigen heraus, Frucht bringend im Herzen, da wir im Geist Furcht und Hoffnung auf Jesus haben.“
Quelle: Die Apostolischen Väter. Griechisch-deutsche Parallelausgabe, übersetzt und herausgegeben von Andreas Lindemann und Henning Paulsen, Tübingen 1992, S. 55.Ignatius an die Epheser (Kap. 18,2)
„Denn unser Gott, Jesus der Christus, wurde von Maria empfangen, nach dem Heilsplan Gottes zwar aus dem Samen Davids, aber vom Heiligen Geiste; er wurde geboren und getauft, damit er durch das Leiden das Wasser reinige.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 124.Erste Apologie (Kap. 61)
„[…] damit wir nicht Kinder der Notwendigkeit und der Unwissenheit bleiben, sondern Kinder der freien Wahl und der Einsicht, auch der Vergebung unserer früheren Sünden teilhaftig werden, [wird] im Wasser über dem, der nach der Wiedergeburt Verlangen trägt und seine Vergehen bereut hat, der Name Gottes, des Allvaters und Herrn, ausgesprochen […]. Es heißt aber dieses Bad Erleuchtung, weil diejenigen, die das an sich erfahren, im Geiste erleuchtet werden. Aber auch im Namen Jesu Christi […] und im Namen des Heiligen Geistes […] wird der, welcher die Erleuchtung empfängt, abgewaschen.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 75–76/129–130.Über die Taufe (Kap. 17)
„Der tolle Übermut von Weibern aber, der sich vermessen hat, lehren zu wollen, wird sich hoffentlich nicht auch das Recht zu taufen aneignen […]. Wie wahrscheinlich wäre es wohl, daß der, welcher dem Weibe beharrlich die Erlaubnis zu lehren verweigert hat, ihm die Macht, zu lehren und zu taufen, sollte eingeräumt haben?“
Quelle: Tertullians private und katechetische Schriften, übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner, 1912, S. 295.Über die Taufe (Kap. 1)
„Glückseliges Sakrament unseres Wassers, wodurch wir, nach Abwaschung der Fehltritte unserer vorigen Blindheit, für das ewige Leben in Freiheit gesetzt werden!“
Quelle: Tertullians private und katechetische Schriften, übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner, 1912, S. 275.Über die Taufe (Kap. 18)
„Der Herr hat freilich gesagt: ‚Wehret [den Kindern] nicht, zu mir zu kommen‘ [Matthäus 19,14]. Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind; sie sollen kommen, wenn sie gelernt haben, wenn sie darüber belehrt sind, wohin sie gehen sollen: sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind, Christum zu kennen.“
Quelle: Tertullians private und katechetische Schriften, übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner, 1912, S. 297.Rede auf das heilige Osterfest (Kap. 2)
„Es kam die Herrschaft des Lebens, und die Macht des Todes wurde gebrochen. Und es entstand ein anderes Geschlecht, ein anderes Leben, eine andere Gestalt des Lebens, selbst eine Umwandlung unserer Natur, ein Geschlecht, das nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Mannes noch aus dem Willen des Fleisches, sondern aus Gott geboren ist. [Johannes 1,13.] […] Diese Geburt ist durch den Glauben empfangen und wird durch die Wiedergeburt der Taufe an’s Licht gebracht.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Serie, Bd. 70, Kempten 1880, S. 301.