Athenagoras von Athen

Athenagoras war einer der bekannten christlichen Apologeten des 2. Jahrhunderts. Über sein Leben ist allerdings nur wenig Sicheres bekannt. Weder sein Geburts- noch sein Todesjahr lassen sich zuverlässig bestimmen. Historisch greifbar wird er erst zur Zeit des Kaisers Mark Aurel (121–180). In der handschriftlichen Überlieferung erscheint er als „Athenagoras, der Athener, Philosoph und Christ“. Was mit der Bezeichnung „Athener“ genau gemeint ist, bleibt offen. Sie kann sich auf seine Herkunft, seinen Wohnort oder auch seine philosophische Prägung beziehen.

Seine Werke verraten eine gründliche Kenntnis der griechischen Philosophie, Dichtung und Rhetorik. Vermutlich stand Athenagoras vor oder während seiner Hinwendung zum Christentum dem Platonismus nahe. Philippus Sidetes (ca. 380–431) berichtet im 5. Jahrhundert, Athenagoras habe die Bibel zunächst gelesen, um das Christentum zu widerlegen, sei dabei jedoch selbst Christ geworden. Derselben Überlieferung zufolge soll er die alexandrinische Katechetenschule geleitet und Clemens von Alexandria (ca. 150–215) unterrichtet haben. Diese Angaben gelten jedoch wegen ihrer späten Bezeugung und erheblicher chronologischer Schwierigkeiten als unzuverlässig.

Um 176 oder 177 verfasste Athenagoras seine Bittschrift für die Christen, die an Mark Aurel und dessen Sohn Commodus (161–192) gerichtet war. Darin verlangt er, Christen nach ihren Taten zu beurteilen, statt sie allein wegen ihres Namens zu verfolgen. Ausführlich setzt er sich mit den damals gegen die Christen erhobenen Vorwürfen des Atheismus, sexueller Ausschweifungen und des rituellen Kannibalismus auseinander. Den christlichen Glauben stellt er zugleich als philosophisch begründeten Monotheismus dar. Auffallend klar spricht er dabei von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Sein zweites erhaltenes Werk, Über die Auferstehung der Toten, verteidigt die leibliche Auferstehung vor allem mit philosophischen Argumenten. Da der Mensch aus Leib und Seele bestehe, müsse seine Vollendung auch beide umfassen.

Wann und wo Athenagoras starb, wissen wir nicht. Die antiken Kirchenhistoriker erwähnen ihn kaum. Seine erhaltenen Schriften zeigen jedoch einen gebildeten christlichen Denker, der die Lehre der Kirche in den Begriffen und Denkformen der griechisch-römischen Geisteswelt zu erklären und zu verteidigen verstand.

Zitate von Athenagoras