„Da er es jedoch so für gut hielt, stattete er Engel und Menschen mit freiem Willen aus, damit sie gerecht handelten, und bis zu einer von ihm bestimmten Zeit sah er, daß der freie Wille für sie gut war. Und wiederum weil er es für gut erachtete, hielt er allgemeine und besondere Gerichte ab, aber den freien Willen ließ er.“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 166.Justin der Märtyrer
Mahnrede an die Griechen (Kap. 13)
„Ptolemäus, der König von Ägypten, hatte die Bibliothek zu Alexandrien erbaut und füllte sie, indem er Bücher aus allen Teilen zusammentrug. Danach erfuhr er, dass die sehr alten Geschichtswerke, die in Hebräisch abgefasst waren, sorgfältig verwahrt würden. Da er ihren Inhalt kennenlernen wollte, ließ er siebzig weise Männer aus Jerusalem rufen, die sowohl die griechische als auch die hebräische Sprache kannten. Er befahl ihnen, die Bücher zu übersetzen. Damit sie, frei von jeglicher Störung, das Übersetzungswerk umso rascher vollenden könnten, ließ er ebenso viele Hütten errichten, wie es Übersetzer gab – nicht in der Stadt selbst, sondern sieben Stadien entfernt. […] Den mit der Aufsicht betrauten Beamten befahl er […], jeglichen Umgang [der Übersetzer] miteinander zu verhindern. Dies geschah, damit die Zuverlässigkeit der Übersetzung durch ihren Gleichklang geprüft werden könne. Als Ptolemäus entdeckte, dass die siebzig Männer nicht nur denselben Sinn, sondern sogar dieselben Worte wiedergegeben hatten, […] hielt er die Übersetzung für ein Werk göttlicher Macht. […] Ihr Männer von Griechenland, das ist kein Märchen. Noch habe ich euch etwas Erdachtes erzählt. Vielmehr bin ich selbst in Alexandrien gewesen und habe die Überreste jener kleinen Hütten am Pharos gesehen, die noch immer bewahrt werden. Und ich habe dies von den Einwohnern gehört, die es als Teil der Überlieferung ihres Landes erhielten. Ich habe euch berichtet, was ihr auch von anderen erfahren könnt – besonders von jenen weisen und hochgeachteten Männern, die davon geschrieben haben: Philo und Josephus.“
Quelle: The Ante-Nicene Fathers, Bd. 1, 1885, S. 278–279.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 140,4)
„Daß jedoch diejenigen, deren Ungerechtigkeit man vorherwußte, seien sie Engel oder Menschen, nicht durch Gottes Schuld Sünder werden, sondern daß jeder durch seine eigene Schuld das ist, als was er erscheinen wird, habe ich auch schon oben [Kap. 88,5; 102,4] dargetan.“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 228.Zweite Apologie 4 [5]
„Als Gott das Weltall geschaffen und das, was auf Erden ist, den Menschen unterstellt, die Himmelskörper aber zum Wachstum der Früchte und zum Wechsel der Zeiten geordnet und ihnen, die er ersichtlich auch der Menschen wegen geschaffen hatte, ein göttliches Gesetz vorgezeichnet hatte, da übertrug er die Vorsorge für die Menschen und für alles, was unter dem Himmel ist, Engeln, die er über sie setzte. Die Engel aber übertraten diese Anordnung, erniedrigten sich zum Verkehr mit Weibern und zeugten Kinder, die sogenannten Dämonen.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 89/143.Erste Apologie (Kap. 6)
„Ihn und seinen Sohn, der von ihm gekommen ist […], und den prophetischen Geist verehren und beten wir an, indem wir ihn mit Vernunft und Wahrheit ehren und jedem, der ihn kennen lernen will, […] mitteilen.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 16/70.Erste Apologie (Kap. 66)
„Niemand darf [an der Eucharistie] teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir [die Eucharistie]; sondern wie Jesus Christus […] Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, daß die durch ein Gebet […] unter Danksagung geweihte Nahrung […] Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 80–81/134–135.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 5,3)
„[…] die ungerechten und bösen Seelen […] [bleiben] an einem weniger guten Orte, wo sie dann die Zeit des Gerichtes abwarten. Die einen also, welche gotteswürdig erscheinen, sterben nicht mehr, die anderen werden bestraft, so lange Gott will, daß sie noch existieren und bestraft werden.“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 10.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 80,5)
„Ich aber und die Christen, soweit sie in allem rechtgläubig sind, wissen, daß es eine Auferstehung des Fleisches gibt, und daß tausend Jahre kommen werden in dem aufgebauten, geschmückten und vergrößerten Jerusalem, wovon die Propheten Ezechiel und Isaias und die übrigen sprechen.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, Kempten/München 1917, S. 134.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 6,1–2)
„Die Seele aber hat Anteil am Leben, weil Gott will, daß sie lebe. [2] So wird sie nun auch dereinst nicht Anteil haben, wenn nicht Gott will, daß sie lebe. […] Im Gegenteil, gerade so wie der Mensch nicht immer existiert und nicht immer der Körper mit der Seele verbunden ist, sondern die Seele dann, wenn diese Vereinigung gelöst werden muß, den Körper verläßt […], so weicht auch von der Seele, wenn sie nicht mehr sein soll, der lebenspendende Geist und ist die Seele nicht mehr […]“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 11.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 120,5)
„So habe ich auch meine christologischen Lehren nicht begründen wollen mit Schriftstellen, welche ihr [Juden] nicht anerkennt […]. Ich habe sie vielmehr bewiesen mit den von euch bis jetzt anerkannten Stellen. Wenn eure Lehrer diese Schriftstellen verstanden hätten, dann hätten sie ganz gewiß für ihre Beseitigung gesorgt […]“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 196–197.Erste Apologie (Kap. 13)
„[…] wir [setzen] außerdem […] Jesus Christus […], den wir als den Sohn des wahrhaftigen Gottes erkannt haben, an die zweite Stelle […] und […] [ehren] den prophetischen Geist an dritter Stelle mit Fug und Recht […].“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, Kempten/München 1913, S. 23/77.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 79,4)
„Ferner ist uns von Moses im Anfang der Genesis aufgeschrieben, daß eine Schlange die Eva betrogen habe, und daß sie verflucht worden sei. Wir wissen, daß in Ägypten Magier versuchten, die von Gott durch den treuen Diener Moses gewirkten Wunder nachzumachen. Auch ist euch bekannt, daß nach der Erklärung Davids die Götter der Heiden Dämonen sind.“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 131.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 10,1)
„Meine Freunde! Ist das alles, was ihr an uns [Christen] tadelt, daß wir nicht nach dem [jüdischen] Gesetz leben, daß wir weder gleich euren Vorfahren das Fleisch beschneiden, noch wie ihr den Sabbat halten?“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 15.Zweite Apologie (Kap. 13)
„[…] weil wir [Christen] nach Gott den von dem ungezeugten und unnennbaren Gott ausgegangenen Logos anbeten und lieben, nachdem er unsertwegen Mensch geworden ist […].“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 100/154.Zweite Apologie 5 [6]
„Sein Sohn aber, der allein im eigentlichen Sinne sein Sohn heißt, der Logos, der vor aller Schöpfung in ihm war und der gezeugt wurde, als er im Anfange alles durch ihn schuf und ordnete, wird Christus genannt, weil er gesalbt wurde und Gott durch ihn alles ordnete, […] er ist Mensch geworden, nach dem Willen Gottes des Vaters zur Welt gekommen für die gläubigen Menschen und zum Sturze der Dämonen, wie ihr noch jetzt aus dem ersehen könnt, was vor euren Augen geschieht.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 90/144.Erste Apologie (Kap. 28)
„Und er hat von Anbeginn das Menschengeschlecht mit Vernunft begabt und mit der Fähigkeit geschaffen, das Wahre zu erwählen und das Gute zu tun, so daß die Menschen samt und sonders vor Gott keine Entschuldigung haben, weil sie als vernünftige und erkenntnisfähige Wesen auf die Welt gekommen sind.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 40/94.Erste Apologie (Kap. 63)
„[…] der Vater des Alls [hat] einen Sohn […], der als Gottes Logos und Erstgeborener auch Gott ist. Früher ist dieser in Feuersgestalt und auch unkörperlich dem Moses und den übrigen Propheten erschienen; jetzt aber […] ist er […] nach des Vaters Willen zum Heile seiner Gläubigen durch eine Jungfrau Mensch geworden und hat Verachtung und Leiden auf sich genommen, um durch sein Sterben und Auferstehen den Tod zu besiegen.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 79/133.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 82,4)
„[…] wir nun [bestreben] uns […], schriftgemäß zu sprechen […]“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 136.Erste Apologie (Kap. 43)
„Damit aber niemand aus dem vorher von uns Gesagten den Schluß ziehe, wir behaupten, daß das, was geschieht, nach der Notwendigkeit des Verhängnisses geschehe, weil wir ja vorhin bemerkten, es sei vorhergewußt, so wollen wir auch diese Schwierigkeit lösen. Daß die Strafen und Züchtigungen wie auch die Belohnungen nach dem Werte der Handlungen eines jeden zugeteilt werden, darüber sind wir von den Propheten belehrt worden und verkünden es als wahr. Wenn das nicht der Fall wäre, sondern alles nach einem Verhängnisse geschähe, so gäbe es gar keine Verantwortlichkeit; denn wenn es vom Schicksale bestimmt ist, daß dieser gut und jener schlecht ist, so ist der eine so wenig zu loben als der andere zu tadeln. Und wiederum: Wenn das Menschengeschlecht nicht das Vermögen hat, aus freier Wahl das Schändliche zu fliehen und sich für das Gute zu entscheiden, so ist es unschuldig an allem, was es tut.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 55/109.Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 110,2)
„Diese [Parusie] tritt dann ein, wenn der Mann der Apostasie, der auch gegen den Höchsten Ungehöriges predigt, auf Erden Sündhaftes gegen uns Christen wagt, die wir von dem Gesetze und dem Worte, das aus Jerusalem durch Jesu Apostel ausging, Gottesverehrung gelernt und zu dem Gotte Jakobs und dem Gotte Israel unsere Zuflucht genommen haben.“
Quelle: Des heiligen Philosophen und Märtyrers Justinus Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Dr. Philipp Häuser, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 33, 1917, S. 177.