Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 88,5)

abgefasst um 160 n. Chr. von Justin der Märtyrer

„Gott hat nämlich bei Erschaffung der Engel und Menschen gewollt, daß sie, ausgestattet mit freiem Willen und dem Selbstbestimmungsrecht, das tun, wozu er jeden einzelnen befähigt hat; er wollte sie, wenn sie sich für Gottes Willen entscheiden, vor Vergänglichkeit und Strafe bewahren, jeden dagegen nach seinem Gutdünken bestrafen, wenn sie sündigten.“

Erste Apologie (Kap. 31)

abgefasst um 160 n. Chr. von Justin der Märtyrer

„Als aber der ägyptische König Ptolemäus eine Bibliothek einrichtete und die Schriftwerke aus aller Welt zusammenzubringen suchte, erfuhr er auch von diesen Prophezeiungen und wandte sich an den damaligen Judenkönig […], ihm die prophetischen Bücher zu übersenden […], geschrieben in der obengenannten hebräischen Sprache. Weil aber ihr Inhalt den Ägyptern nicht verständlich war, ließ er ihn durch eine neue Gesandtschaft ersuchen, ihm Männer zu senden, die sie ins Griechische übertragen sollten. Das geschah, und nun blieben die Bücher auch bei den Ägyptern bis auf den heutigen Tag; außerdem befinden sie sich allerorten bei allen Juden […]“

Dialog mit dem Juden Tryphon (Kap. 102,4)

abgefasst um 160 n. Chr. von Justin der Märtyrer

„Da er es jedoch so für gut hielt, stattete er Engel und Menschen mit freiem Willen aus, damit sie gerecht handelten, und bis zu einer von ihm bestimmten Zeit sah er, daß der freie Wille für sie gut war. Und wiederum weil er es für gut erachtete, hielt er allgemeine und besondere Gerichte ab, aber den freien Willen ließ er.“

Mahnrede an die Griechen (Kap. 13)

abgefasst um 160 n. Chr. von Justin der Märtyrer

„Ptolemäus, der König von Ägypten, hatte die Bibliothek zu Alexandrien erbaut und füllte sie, indem er Bücher aus allen Teilen zusammentrug. Danach erfuhr er, dass die sehr alten Geschichtswerke, die in Hebräisch abgefasst waren, sorgfältig verwahrt würden. Da er ihren Inhalt kennenlernen wollte, ließ er siebzig weise Männer aus Jerusalem rufen, die sowohl die griechische als auch die hebräische Sprache kannten. Er befahl ihnen, die Bücher zu übersetzen. Damit sie, frei von jeglicher Störung, das Übersetzungswerk umso rascher vollenden könnten, ließ er ebenso viele Hütten errichten, wie es Übersetzer gab – nicht in der Stadt selbst, sondern sieben Stadien entfernt. […] Den mit der Aufsicht betrauten Beamten befahl er […], jeglichen Umgang [der Übersetzer] miteinander zu verhindern. Dies geschah, damit die Zuverlässigkeit der Übersetzung durch ihren Gleichklang geprüft werden könne. Als Ptolemäus entdeckte, dass die siebzig Männer nicht nur denselben Sinn, sondern sogar dieselben Worte wiedergegeben hatten, […] hielt er die Übersetzung für ein Werk göttlicher Macht. […] Ihr Männer von Griechenland, das ist kein Märchen. Noch habe ich euch etwas Erdachtes erzählt. Vielmehr bin ich selbst in Alexandrien gewesen und habe die Überreste jener kleinen Hütten am Pharos gesehen, die noch immer bewahrt werden. Und ich habe dies von den Einwohnern gehört, die es als Teil der Überlieferung ihres Landes erhielten. Ich habe euch berichtet, was ihr auch von anderen erfahren könnt – besonders von jenen weisen und hochgeachteten Männern, die davon geschrieben haben: Philo und Josephus.“