
Justin (ca. 100–165) zählt zu den herausragendsten christlichen Apologeten des 2. Jahrhunderts. Er wurde in Flavia Neapolis geboren, dem heutigen Nablus im Westjordanland. Seine Familie war offenbar heidnischer Herkunft. Justin selbst beschreibt, wie ihn bereits früh die Suche nach philosophischer Erkenntnis beschäftigte. Nacheinander wandte er sich verschiedenen Schulen der antiken Philosophie zu – dem Stoizismus, der aristotelischen Philosophie, dem Pythagoreismus und schließlich dem Platonismus.
Seine Hinwendung zum Christentum schildert Justin in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon. Darin erzählt er von der Begegnung mit einem älteren Mann, der ihn auf die jüdischen Propheten und Christus verwiesen habe. Im Christentum fand Justin schließlich die Erfüllung seiner philosophischen Suche. Den Philosophenmantel legte er auch nach seiner Bekehrung nicht ab. Für ihn war der christliche Glaube die wahre Philosophie, und als solcher sollte er auch vor der gebildeten Welt jener Zeit bestehen können.
Zeitweise hielt sich Justin in Ephesus auf, später ließ er sich in Rom nieder und war dort als christlicher Lehrer tätig. Zu seinen Schülern gehörte Tatian der Assyrer (ca. 120–173), der später selbst als christlicher Schriftsteller hervortrat. In Rom geriet Justin auch mit dem kynischen Philosophen Crescens aneinander.
Von Justins Schriften sind neben dem umfangreichen Dialog mit dem Juden Tryphon vor allem seine Erste und Zweite Apologie erhalten. In diesen verteidigt Justin die Christen gegen verbreitete Anschuldigungen und wendet sich dazu an die römische Obrigkeit. Zugleich erläutert er zentrale Inhalte des christlichen Glaubens. Seine Schriften geben wertvolle Einblicke in das Tauf- und Eucharistieverständnis und den Gottesdienst der Christen seiner Zeit. Einen besonderen Platz nimmt seine Lehre vom göttlichen Logos ein, mit deren Hilfe Justin die christliche Offenbarung zur antiken Philosophie in Beziehung setzte.
Um das Jahr 165 wurde Justin in Rom vor den Stadtpräfekten Junius Rusticus (ca. 100–170) geführt. Da Justin sich weigerte, den römischen Göttern zu opfern, verurteilte man ihn gemeinsam mit mehreren Glaubensgenossen zum Tode. Er wurde enthauptet. Sein Martyrium gab ihm den Namen, unter dem er bis heute bekannt ist: Justin der Märtyrer.
