Wer ist Jesus Christus?

JESUS CHRISTUS steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Das Neue Testament zeichnet Jesus von Nazaret als den von Gott verheißenen Messias oder Christus und Gottes Mensch gewordenen Sohn, durch dessen Tod und Auferstehung uns Menschen die Versöhnung mit Gott eröffnet wird. Jesu irdisches Leben spielte sich in einem vergleichsweise kleinen geographischen Raum ab und umfasste nur wenige Jahrzehnte. Dennoch hat keine andere Gestalt die Geschichte in einer vergleichbaren Art und Weise geprägt.

Geboren wurde Jesus gegen Ende der Regierungszeit Herodes’ des Großen, innerhalb der Jahre 4 und 1 vor unserer üblichen Zeitrechnung. Seine Mutter Maria war mit Joseph verlobt, einem Nachkommen des davidischen Königshauses. Nach dem Zeugnis der Evangelien wurde Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen. Seine Geburt in Betlehem galt der frühen Kirche als die Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen über den kommenden Messias. Als Herodes dem Kind nach dem Leben trachtete, floh die Familie nach Ägypten. Später ließ sie sich in Nazaret in Galiläa nieder.

Über Jesu Kindheit und Jugend schweigen die Evangelien weitgehend. Lukas berichtet von einem Besuch des Zwölfjährigen im Jerusalemer Tempel, wo er durch sein Verständnis und seine Antworten auffiel. Danach begegnet uns Jesus erst wieder als Erwachsener. Er wuchs offenbar unter einfachen Verhältnissen in Nazaret auf und übte wahrscheinlich wie Joseph ein Handwerk aus. Die Evangelien schildern ihn dabei als wirklichen Menschen. Er kannte Hunger und Erschöpfung, Trauer und körperlichen Schmerz. Zugleich zeigt sich in ihnen seine besondere, einzigartige Beziehung zu Gott, den er seinen Vater nennt.

Sein öffentliches Wirken begann ungefähr im Alter von 30 Jahren. Zu dieser Zeit trat Johannes der Täufer in Judäa auf und rief Israel zur Umkehr. Jesus ließ sich von ihm im Jordan taufen. Nach der Darstellung der Evangelien bekannte sich Gott dabei öffentlich zu ihm als seinem Sohn. Es folgten 40 Tage in der Wüste, während deren Jesus vom Teufel versucht wurde und den Versuchungen widerstand.

In den folgenden Jahren zog Jesus vor allem durch Galiläa und Judäa. Der Mittelpunkt seiner Verkündigung war Gottes Reich. Er rief zur Umkehr und zum Glauben, verkündigte die Vergebung der Sünden für die, welche an ihn glauben und ihm nachfolgen, und forderte eine Hingabe an Gott, die sich im ganzen Leben zeigen sollte. Seine Lehre griff tief in das Verhalten des Einzelnen ein. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten gehörte ebenso dazu wie Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit des Herzens. Selbst die Feindesliebe verlangte Jesus von seinen Nachfolgern.

Viele seiner Lehren vermittelte er in Gleichnissen. Saat und Ernte, verlorene Gegenstände, familiäre Konflikte oder wirtschaftliche Vorgänge wurden zu Bildern für geistliche Wirklichkeiten. Dabei sprach Jesus mit einer Autorität, die seine Zuhörer überraschte. Er legte die heiligen Schriften aus, sprach Menschen die Vergebung ihrer Sünden zu und verband die Haltung zu seiner eigenen Person unmittelbar mit dem Verhältnis des Menschen zu Gott.

Einen breiten Raum nehmen in den Evangelien auch seine Wunder ein. Jesus heilte Kranke und Blinde, befreite Menschen von dämonischer Bedrängnis und erweckte Tote. Er stillte einen Sturm und speiste große Menschenmengen. Die Evangelisten schildern diese Taten als Zeichen dafür, wer Jesus ist und dass mit seinem Wirken Gottes von den Propheten angekündigte Herrschaft angebrochen war.

Aus der größeren Zahl seiner Anhänger berief Jesus zwölf Männer in einen besonderen Jüngerkreis. Diese Zahl knüpfte erkennbar an die zwölf Stämme Israels an. Innerhalb dieser Gruppe nahm Petrus eine hervorgehobene Stellung ein. Zum weiteren Kreis seiner Nachfolger gehörten auch zahlreiche Frauen, die ihn begleiteten und sein Wirken unterstützten.

Je länger Jesus öffentlich auftrat, desto schärfer wurden die Reaktionen. Viele hielten ihn für einen Propheten, andere hofften, in ihm den erwarteten Messias gefunden zu haben. Zugleich wuchs der Widerstand. Sein Umgang mit dem Sabbat, seine Gemeinschaft mit gesellschaftlich und religiös ausgegrenzten Menschen und vor allem sein Anspruch, Sünden vergeben zu können, führten zu schweren Auseinandersetzungen mit Teilen der religiösen Führung.

Die letzte Reise nach Jerusalem leitete den entscheidenden Abschnitt seines irdischen Lebens ein. Jesus zog unter messianischen Erwartungen in die Stadt ein. Im Tempel ging er gegen Händler und Geldwechsler vor, wodurch sich der Konflikt mit den führenden Priestern weiter zuspitzte. Bei seinem letzten Mahl mit den Jüngern bezog er Brot und Wein auf seinen bevorstehenden Tod. Er sprach von seinem Leib und Blut, die für andere gegeben würden.

Wenig später wurde Jesus infolge des Verrats des Judas Iskariot verhaftet. Nach einer Befragung durch jüdische Autoritäten übergab man ihn dem römischen Statthalter Pontius Pilatus. Dieser fand nach der Darstellung der Evangelien keinen ausreichenden Grund für seine Verurteilung, ließ ihn schließlich aber dennoch kreuzigen. Jesus starb mit 33½ Jahren außerhalb der Stadtmauern Jerusalems und wurde anschließend in einem Felsengrab beigesetzt.

Für das Neue Testament endet Jesu Geschichte damit keineswegs. Jesus hatte sein Leiden zuvor angekündigt und als einen Bestandteil seiner Sendung verstanden. Die neutestamentlichen Autoren deuten seinen Tod als stellvertretendes Geschehen für Sünder. Am Kreuz trug Christus die Folgen der menschlichen Sünde und schuf die Grundlage für Versöhnung, Vergebung und neues Leben.

Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung fanden Frauen aus seinem Jüngerkreis das Grab leer. Danach erschien Jesus nach dem Zeugnis der Evangelien und der apostolischen Briefe wiederholt seinen Jüngern. Diese waren überzeugt, dem Auferstandenen leibhaftig begegnet zu sein. Ihre Verkündigung wurde fortan von diesem Geschehen bestimmt. Wenige Wochen später trat die christliche Gemeinde in Jerusalem öffentlich mit der Botschaft auf, dass der gekreuzigte Jesus von Gott auferweckt worden sei und als Herr und Messias regiere.

Nach dem Neuen Testament wurde Jesus schließlich vor den Augen seiner Jünger in den Himmel aufgenommen. Zugleich erwarteten die ersten Christen seine sichtbare Wiederkunft, die Auferstehung der Toten und die endgültige Aufrichtung von Gottes Reich.

Vor diesem Hintergrund reicht es also nicht aus, Jesus lediglich als einen jüdischen Wanderprediger oder Morallehrer der Antike zu verstehen. Die neutestamentlichen Schriften bezeugen ihn als den Christus – Gottes Sohn und Gottes Mensch gewordenes Wort. In ihm handelt Gott zur Rettung des Menschen. Seine Geburt und sein Wirken, sein Kreuz und seine Auferstehung sind der Kern der christlichen Botschaft. Jesus Christus gehört für den christlichen Glauben keiner abgeschlossenen Vergangenheit an. Der Auferstandene lebt und herrscht. Seine Geschichte wartet auf ihre Vollendung bei seiner Wiederkunft.