Irenäus von Lyon

Irenäus (ca. 130–200), ein Theologe des 2. Jahrhunderts, stammte aus Kleinasien und wuchs vermutlich in Smyrna oder dessen Umgebung auf. Als junger Mann lernte er dort Polykarp kennen. Noch Jahrzehnte später erinnerte sich Irenäus lebhaft an dessen Predigten. Polykarp wiederum hatte nach Irenäus mit Menschen Umgang gehabt, die Jesus und die Apostel noch persönlich gekannt hatten. So stand Irenäus der apostolischen Generation zumindest mittelbar ungewöhnlich nahe.

Später kam er nach Lugdunum, dem heutigen Lyon, wo sich eine bedeutende christliche Gemeinde gebildet hatte. Als im Jahr 177 unter Mark Aurel (121–180) eine schwere Verfolgung die Christen von Lyon und Vienne traf, wirkte Irenäus dort bereits als Presbyter. Zahlreiche Christen wurden gefangen genommen und schließlich hingerichtet. Irenäus selbst befand sich zu dieser Zeit mit einem Schreiben seiner Gemeinde in Rom. Nach dem Tod des hochbetagten Bischofs Pothinus (ca. 87–177) übernahm er dessen Amt und wurde der zweite bekannte Bischof von Lyon.

Seine größte Wirkung entfaltete Irenäus durch sein um 180 entstandenes Werk „Adversus haereses“ (Gegen die Häresien). Darin setzte er sich ausführlich mit verschiedenen gnostischen Bewegungen auseinander. Deren Berufung auf geheime Offenbarungen stellte er den öffentlich überlieferten Glauben der christlichen Gemeinden, die apostolische Verkündigung und die heiligen Schriften gegenüber. Von besonderem Interesse ist seine ausdrückliche Anerkennung der vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Im Mittelpunkt von Irenäus’ Theologie steht ein weitgespanntes Verständnis der Heilsgeschichte. Christus ist für ihn der neue Adam. In ihm wird die Geschichte der Menschheit gewissermaßen noch einmal durchlaufen und Adams Ungehorsam durch Christi Gehorsam überwunden. Schöpfung und Erlösung gehören deshalb eng zusammen. Gegen gnostische Vorstellungen verteidigte Irenäus die Güte der geschaffenen Welt ebenso entschieden wie Christi wirkliche Menschwerdung und leibliche Auferstehung.

Über die letzten Lebensjahre von Irenäus ist kaum etwas bekannt. Eine spätere Überlieferung bezeichnet ihn als Märtyrer; ein gewaltsamer Tod lässt sich historisch jedoch nicht sicher nachweisen. Seine Schriften und theologischen Gedanken wirkten weit über das 2. Jahrhundert hinaus.

Zitate von Irenäus