„So erinnern sich auch die Presbyter, die Johannes, den Schüler des Herrn, gesehen haben, von ihm gehört zu haben, wie der Herr von jenen Zeiten lehrte und sprach: ‚Es werden Tage kommen, wo Weinstöcke wachsen werden, jeder mit 10 000 Reben, und an einer Rebe 10 000 Zweige, und an einem Zweige 10 000 Schosse und an jedem Schoß 10 000 Trauben und an jeder Traube 10 000 Beeren, und jede Beere wird ausgepreßt 1000 Liter Wein geben. […] Ähnlich werde auch ein Weizenkorn 10 000 Ähren hervorbringen und jede Ähre 10 000 Körner haben und jedes Korn 10 Pfund weißes, reines Mehl geben […]; und alle Tiere würden sich mit den Speisen nähren, die ihnen die Erde bietet, und friedlich und zutraulich untereinander, gegen den Menschen aber ganz unterwürfig sein.‘ [4] Dies bezeugt auch Papias, ein Hörer des Johannes und Hausgenosse des Polykarpus, ein Mann der alten Zeit, wie in dem vierten seiner Bücher – fünf hat er nämlich verfaßt – geschrieben steht.“
Irenäus von Lyon
Fragmente der verlorenen Schriften von Irenäus III
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Als der selige Polykarp zur Zeit des Anicetus in Rom zu Besuch war, […] waren sie sogleich einander wohlgesinnt und wollten nicht, dass irgendein Streit zwischen ihnen über diese Sache [scil. die Beobachtung von Ostern] aufkomme. Denn Anicetus konnte Polykarp nicht dazu bewegen, die Beobachtung [seiner Osterbräuche] aufzugeben, weil diese Dinge stets von Johannes, dem Jünger unseres Herrn, und von anderen Aposteln, mit denen er verkehrt hatte, gehalten worden waren. Polykarp wiederum vermochte Anicetus nicht dahin zu bringen, [Ostern auf seine Weise] zu halten, denn Anicetus behauptete, er sei verpflichtet, an der Praxis der Presbyter festzuhalten, die ihm vorangegangen waren. Und in diesem Zustand der Dinge hatten sie Gemeinschaft miteinander.“
Gegen die Häresien III 6,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Beide nämlich bezeichnete der Heilige Geist als Gott, den Sohn, der gesalbt wird, und den Vater, der salbt. Und ferner: ‚Gott steht in der Versammlung der Götter, in ihrer Mitte aber richtet er die Götter‘ [Psalm 82,1]. Vom Vater und vom Sohne spricht er und von denen, welche die Kindschaft empfangen haben, und diese sind die Kirche. Das nämlich ist die Versammlung Gottes, welche Gott, d. h. der Sohn selbst, durch sich zustande gebracht hat.“
Gegen die Häresien I 10,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„[…] er [wird] ein gerechtes Gericht über alle halten. Die Geister der Bosheit und die ungehorsamen Engel, die von Gott abfielen, und die Gottlosen und Ungerechten und Frevler und Gotteslästerer wird [Jesus Christus] in das ewige Feuer schicken.“
Gegen die Häresien V 29,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Wenn daher am Ende die Kirche plötzlich erhöht werden wird, dann wird, wie geschrieben steht, ‚eine Trübsal sein, wie sie von Anfang an nicht gewesen ist, noch sein wird‘ [Mt 24,21]. Das ist nämlich der letzte Kampf der Gerechten, in welchem die Sieger mit Unverweslichkeit gekrönt werden.“
Gegen die Häresien V 25,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Weiterhin erweist sich auch aus dem, was unter dem Antichrist geschehen soll, daß der Apostat und Räuber als Gott verehrt werden und als König ausgerufen werden will, obwohl er doch ein Sklave ist. Indem nämlich jener alle Kraft des Teufels annehmen wird, wird er nicht als gerechter König kommen, nicht als gesetzmäßiger in der Unterwerfung unter Gott, sondern als ein ungerechter, gesetzloser, gottloser, als Apostat, Übeltäter, Menschenmörder und Räuber, der die Apostasie des Teufels in sich rekapituliert. Die Götzen wird er abtun und sich selbst als Gott ausgeben, sich als den einzigen Götzen erheben, der in sich den mannigfachen Irrtum der übrigen Götzenbilder enthält, damit die, welche in mancherlei Greueln den Teufel anbeten, ihm in dem einen Götzen dienen.“
Gegen die Häresien IV 36,4
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Zu den Zeiten des Noe führte [das Wort] die Sintflut herbei, um das arge Geschlecht der damaligen Menschen auszulöschen, die für Gott keine Frucht bringen konnten, da sich die treulosen Engel mit ihnen vermischt hatten […]“
Gegen die Häresien IV 4,3
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„[…] der vernünftige Mensch jedoch, hierdurch das Ebenbild Gottes, daß er frei wählen und sich selbst bestimmen kann, trägt in sich die Ursache, wenn er einmal Weizen, das anderemal Spreu wird.“
Gegen die Häresien V 32,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Es muß aber von den Gerechten gesagt werden, daß sie zuerst bei der Erneuerung dieser Welt und der Wiederkunft Gottes auferstehen werden, um die verheißene Erbschaft zu empfangen, die Gott den Vätern versprochen hat, und um in ihr zu herrschen. Dann aber kommt das Gericht. In der Welt, in der sie sich gemüht und gelitten haben, auf jegliche Weise in der Geduld erprobt, in der werden sie gerechter Weise auch die Früchte ihrer Geduld empfangen. In der Welt, in der sie getötet wurden wegen ihrer Liebe zu Gott, in der werden sie auch lebendig gemacht werden. Wo sie Knechtschaft erduldeten, da werden sie herrschen. Denn reich in allem ist Gott, und alles gehört ihm. Deshalb muß diese Schöpfung, in den alten Zustand wiedereingesetzt, unbehindert den Gerechten dienen.“
Gegen die Häresien V 25,3
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„[…] drei Jahre und sechs Monate […] [wird] er bei seiner Ankunft über die Erde herrschen […]“
Gegen die Häresien IV 37,5
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Aber nicht nur in den Werken, sondern sogar im Glauben hat Gott die Freiheit und Selbstentscheidung des Menschen beachtet […], womit gesagt ist, daß der Glaube ebenso Eigentum des Menschen ist wie sein freier Wille. […] der Herr […] beläßt dem Menschen den freien Willen und die Selbstentscheidung, wenn er zu Jerusalem spricht: ‚Wie oft wollte ich deine Söhne versammeln, wie die Henne ihre Küchlein unter den Flügeln, und du hast nicht gewollt. Deshalb wird euch euer Haus öde gelassen werden‘ [Mt 23,37–38].“
Gegen die Häresien IV 15,2
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Denn immer hat Gott und seine Ermahnung den freien Willen und das Selbstbestimmungsrecht im Menschen gewahrt, damit die Ungehorsamen gerechterweise verurteilt werden, deshalb weil sie nicht gehorchten. Die aber ihm gehorchten und glaubten, die sollten mit der Unvergänglichkeit geehrt werden.“
Fragmente der verlorenen Schriften von Irenäus
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Er ist Fürst der engelhaften Mächte, Gott von Gott und Sohn des Vaters.“
Gegen die Häresien III 2,2
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Berufen wir uns aber [den Häretikern] gegenüber auf die apostolische Tradition, die durch die Nachfolge der Priester in der Kirche bewahrt wird, dann verwerfen sie wieder die Tradition, nennen sich klüger als Priester und Apostel und sagen, sie hätten allein die Wahrheit gefunden. […] So stehen sie also weder auf dem Boden der Schrift, noch der Tradition.“
Gegen die Häresien III 18,3
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Es salbte aber der Vater, gesalbt wurde der Sohn in dem Geiste, der die Salbung ist, gemäß dem Worte des Isaias, der da spricht: ‚Der Geist des Herrn ist über mir, deswegen hat er mich gesalbt‘ [Jesaja 61,1]. Damit weist er hin auf den Vater, der salbt, den Sohn, der gesalbt wurde und den Geist, welcher die Salbung ist.“
Gegen die Häresien III 19,2
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Denn daß überhaupt keiner aus den Söhnen Adams schlechthin Gott genannt oder Herr geheißen wird, das haben wir aus den Schriften nachgewiesen. Alle aber, die nur ein wenig um die Wahrheit sich kümmern, können sehen, daß [Christus] allein von allen Menschen, die jemals gewesen sind, im eigentlichen Sinne als Gott und Herr und ewiger König und Eingeborener und fleischgewordenes Wort […] bekannt wird […] und daß er zugleich der heilige Herr und wunderbare Ratgeber [Jesaja 9,5] und schön von Gestalt und der starke Geist sein werde, über den Wolken kommend als erster Richter des Weltalls [Matthäus 24,30], dies alles haben von ihm die Schriften verkündet.“
Gegen die Häresien IV 25,1
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„[Abraham] empfing auch den Bund der Beschneidung nach der Rechtfertigung, die in der Vorhaut des Glaubens gewesen war, damit in ihm beide Testamente im voraus abgebildet würden, und er der Vater aller [Gläubigen] würde […] aus der Beschneidung und derer aus der Vorhaut. So ist auch ‚Christus der Haupteckstein‘ [Epheser 2,20], der alles trägt und in dem Glauben Abrahams die sammelt, die aus beiden Testamenten zum Bau Gottes geeignet sind. Doch der Glauben in der Vorhaut ist zum ersten und letzten geworden, wie er ja auch das Ende mit dem Anfang verbindet. Vor der Beschneidung nämlich war er in Abraham und den anderen Gerechten, die Gott gefielen […]. Und wiederum ist er in den letzten Zeiten in dem Menschengeschlechte durch die Ankunft des Herrn aufgegangen. Die Beschneidung aber und das Zeremonialgesetz nahmen die mittleren Zeiten ein.“
Gegen die Häresien IV 20,3–4
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Und daß das Wort, d. h. der Sohn, immer bei dem Vater war, haben wir vielfach dargetan. Daß aber auch die Weisheit, d. h. der Geist, bei ihm vor aller Schöpfung war, sagt er durch Salomon: ‚Gott hat durch die Weisheit die Erde gegründet, den Himmel bereitet durch die Klugheit. Durch seinen Geist brachen die Abgründe hervor und die Wolken träufelten Tau‘ [Sprüche 3,19–20]. Und wiederum: ‚Der Herr schuf mich am Anfang seiner Wege zu seinen Werken, vor der Ewigkeit gründete er mich, im Anfang, bevor er die Erde machte […]‘ [Sprüche 8,22–25]. […] Der eine Gott […] [hat] durch sein Wort und die Weisheit alles gemacht und geordnet“.
Gegen die Häresien II 33,5
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Wenn daher die Zahl, die er selbst bei sich vorherbestimmt hat, voll geworden ist, dann werden alle, die [im Buche des Lebens] eingetragen sind, zum Leben auferstehen […], damit durch die Vollendung der von Gott vorherbestimmten […] Zahl der Menschen die Anordnung des Vaters erfüllt werde.“
Gegen die Häresien IV 5,2
abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon„Diesen [Gott] verkündete auch der Prophet Daniel, als Cyrus, der König der Perser, ihn fragte: ‚Warum betest du Bel nicht an?‘ Da sagte er ihm: ‚Ich verehre nicht Götzen, die mit der Hand gemacht sind, sondern den lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und die Herrschaft besitzt über alles Fleisch.‘ [Daniel 14,4–5.]“