Gegen die Häresien V 32,1

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Es muß aber von den Gerechten gesagt werden, daß sie zuerst bei der Erneuerung dieser Welt und der Wiederkunft Gottes auferstehen werden, um die verheißene Erbschaft zu empfangen, die Gott den Vätern versprochen hat, und um in ihr zu herrschen. Dann aber kommt das Gericht. In der Welt, in der sie sich gemüht und gelitten haben, auf jegliche Weise in der Geduld erprobt, in der werden sie gerechter Weise auch die Früchte ihrer Geduld empfangen. In der Welt, in der sie getötet wurden wegen ihrer Liebe zu Gott, in der werden sie auch lebendig gemacht werden. Wo sie Knechtschaft erduldeten, da werden sie herrschen. Denn reich in allem ist Gott, und alles gehört ihm. Deshalb muß diese Schöpfung, in den alten Zustand wiedereingesetzt, unbehindert den Gerechten dienen.“

Gegen die Häresien IV 37,5

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Aber nicht nur in den Werken, sondern sogar im Glauben hat Gott die Freiheit und Selbstentscheidung des Menschen beachtet […], womit gesagt ist, daß der Glaube ebenso Eigentum des Menschen ist wie sein freier Wille. […] der Herr […] beläßt dem Menschen den freien Willen und die Selbstentscheidung, wenn er zu Jerusalem spricht: ‚Wie oft wollte ich deine Söhne versammeln, wie die Henne ihre Küchlein unter den Flügeln, und du hast nicht gewollt. Deshalb wird euch euer Haus öde gelassen werden‘ [Mt 23,37–38].“

Gegen die Häresien III 2,2

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Berufen wir uns aber [den Häretikern] gegenüber auf die apostolische Tradition, die durch die Nachfolge der Priester in der Kirche bewahrt wird, dann verwerfen sie wieder die Tradition, nennen sich klüger als Priester und Apostel und sagen, sie hätten allein die Wahrheit gefunden. […] So stehen sie also weder auf dem Boden der Schrift, noch der Tradition.“

Gegen die Häresien III 18,3

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Es salbte aber der Vater, gesalbt wurde der Sohn in dem Geiste, der die Salbung ist, gemäß dem Worte des Isaias, der da spricht: ‚Der Geist des Herrn ist über mir, deswegen hat er mich gesalbt‘ [Jesaja 61,1]. Damit weist er hin auf den Vater, der salbt, den Sohn, der gesalbt wurde und den Geist, welcher die Salbung ist.“

Gegen die Häresien III 19,2

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Denn daß überhaupt keiner aus den Söhnen Adams schlechthin Gott genannt oder Herr geheißen wird, das haben wir aus den Schriften nachgewiesen. Alle aber, die nur ein wenig um die Wahrheit sich kümmern, können sehen, daß [Christus] allein von allen Menschen, die jemals gewesen sind, im eigentlichen Sinne als Gott und Herr und ewiger König und Eingeborener und fleischgewordenes Wort […] bekannt wird […] und daß er zugleich der heilige Herr und wunderbare Ratgeber [Jesaja 9,5] und schön von Gestalt und der starke Geist sein werde, über den Wolken kommend als erster Richter des Weltalls [Matthäus 24,30], dies alles haben von ihm die Schriften verkündet.“

Gegen die Häresien IV 25,1

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„[Abraham] empfing auch den Bund der Beschneidung nach der Rechtfertigung, die in der Vorhaut des Glaubens gewesen war, damit in ihm beide Testamente im voraus abgebildet würden, und er der Vater aller [Gläubigen] würde […] aus der Beschneidung und derer aus der Vorhaut. So ist auch ‚Christus der Haupteckstein‘ [Epheser 2,20], der alles trägt und in dem Glauben Abrahams die sammelt, die aus beiden Testamenten zum Bau Gottes geeignet sind. Doch der Glauben in der Vorhaut ist zum ersten und letzten geworden, wie er ja auch das Ende mit dem Anfang verbindet. Vor der Beschneidung nämlich war er in Abraham und den anderen Gerechten, die Gott gefielen […]. Und wiederum ist er in den letzten Zeiten in dem Menschengeschlechte durch die Ankunft des Herrn aufgegangen. Die Beschneidung aber und das Zeremonialgesetz nahmen die mittleren Zeiten ein.“

Gegen die Häresien IV 20,3–4

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Und daß das Wort, d. h. der Sohn, immer bei dem Vater war, haben wir vielfach dargetan. Daß aber auch die Weisheit, d. h. der Geist, bei ihm vor aller Schöpfung war, sagt er durch Salomon: ‚Gott hat durch die Weisheit die Erde gegründet, den Himmel bereitet durch die Klugheit. Durch seinen Geist brachen die Abgründe hervor und die Wolken träufelten Tau‘ [Sprüche 3,19–20]. Und wiederum: ‚Der Herr schuf mich am Anfang seiner Wege zu seinen Werken, vor der Ewigkeit gründete er mich, im Anfang, bevor er die Erde machte […]‘ [Sprüche 8,22–25]. […] Der eine Gott […] [hat] durch sein Wort und die Weisheit alles gemacht und geordnet“.

Gegen die Häresien II 33,5

abgefasst um 180 n. Chr. von Irenäus von Lyon

„Wenn daher die Zahl, die er selbst bei sich vorherbestimmt hat, voll geworden ist, dann werden alle, die [im Buche des Lebens] eingetragen sind, zum Leben auferstehen […], damit durch die Vollendung der von Gott vorherbestimmten […] Zahl der Menschen die Anordnung des Vaters erfüllt werde.“