„[…] der allmächtige Schöpfer und unsichtbare Gott selbst, er hat wahrhaftig die Wahrheit und sein heiliges und unfaßbares Wort vom Himmel her unter den Menschen Wohnung nehmen lassen […], indem er nicht, wie man erwarten sollte, den Menschen einen Diener schickte, etwa einen Engel oder einen Fürsten oder einen von denen, die mit der Verwaltung im Himmel betraut sind, sondern den Schöpfer und Bildner des Alls selbst […]. Diesen hat er zu ihnen gesandt […], wie ein König einen Königssohn sendet, als einen Gott sandte er ihn, wie einen Menschen zu Menschen sandte er ihn […]“
Brief an Diognet
Der Brief an Diognet ist ein apologetisches Werk aus frühchristlicher Feder, das sich an einen gewissen Diognet richtet, über den wenig bekannt ist. Der Verfasser – der sich selbst Mathetes (griechisch für „Jünger“ oder „Schüler“) nennt – versucht, das Christentum Heiden gegenüber zu erklären und zu verteidigen, indem er Unterschiede zwischen Christen- und nominellem Judentum sowie Heidentum aufzeigt.
Brief an Diognet (Kap. 3)
abgefasst um 160 n. Chr. von Mathetes„Weiterhin hast du, glaube ich, ein großes Verlangen, zu hören, warum die Christen Gott nicht auf dieselbe Weise verehren, wie die Juden.“
Brief an Diognet (Kap. 8)
abgefasst um 160 n. Chr. von Mathetes„Denn welcher Mensch wußte überhaupt, was Gott ist, ehe er selbst erschien? Oder willst du die gehaltlosen und läppischen Erklärungen jener ‚unfehlbaren‘ Philosophen annehmen, von denen die einen sagen, Gott sei Feuer – wohin sie selbst wandern werden, das nennen sie Gott –, die andern, er sei Wasser oder ein anderes der von Gott geschaffenen Elemente? Freilich könnte, wenn eine von diesen Behauptungen annehmbar wäre, auch ein jedes der übrigen Geschöpfe in gleicher Weise für Gott erklärt werden. Aber das ist Blendwerk und Trug von Gauklern. Von den Menschen hat keiner Gott gesehen oder erkannt, er selbst hat sich kundgetan.“
Brief an Diognet (Kap. 10)
abgefasst um 160 n. Chr. von Mathetes„[…] dann wirst du die Täuschung und Irrung der Welt verachten […], wenn du den wirklichen Tod fürchtest, der denen vorbehalten ist, die zum ewigen Feuer verurteilt werden sollen, das die ihm Überlieferten bis ans Ende peinigen wird.“
Brief an Diognet (Kap. 9)
abgefasst um 160 n. Chr. von Mathetes„[…] zur Vorbereitung auf die jetzige Zeit der Gerechtigkeit [ließ er uns (…), wie wir es wollten, von ungeordneten Trieben geleitet werden, von Lüsten und Begierden fortgerissen], damit wir, in der damaligen Zeit durch unsere eigenen Werke überführt, daß wir des Lebens unwürdig seien, jetzt durch die Güte Gottes würdig gemacht würden und, nachdem wir den Beweis von unserer eigenen Ohnmacht, in das Reich Gottes einzugehen, geliefert hätten, durch die Kraft Gottes dazu befähigt würden. Als aber […] der Zeitpunkt gekommen war, den Gott vorausbestimmt hatte, um fortan seine Güte und Macht zu offenbaren, […] gab [er selbst] den eigenen Sohn als Lösepreis für uns, den Heiligen für die Unheiligen, den Unschuldigen für die Sünder, den Gerechten für die Ungerechten, den Unvergänglichen für die Vergänglichen, den Unsterblichen für die Sterblichen. Denn was anders war imstande, unsere Sünden zu verdecken als seine Gerechtigkeit? In wem konnten wir Missetäter und Gottlose gerechtfertigt werden, wenn nicht allein im Sohne Gottes? Welch süßer Tausch, […] daß die Ungerechtigkeit vieler in einem Gerechten verborgen würde und die Gerechtigkeit eines einzigen viele Sünder rechtfertige! Nachdem er also […] die Ohnmacht unserer Natur, zum Leben zu gelangen, dargetan hatte, zeigte er jetzt, daß der Erlöser Macht habe, auch das Ohnmächtige zu retten […]“