„Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat der Herr gesagt: ‚Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben‘ [Matthäus 7,6].“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 12.Abendmahl
Für die frühen Christen war das Abendmahl oder die Eucharistie weit mehr als eine rein symbolische Handlung: Die Gemeinschaft der Glaubenden mit Christus durch Teilhabe an Brot und Wein wurde als wirkliche geistliche Erfahrung verstanden. Christi Gegenwart wurde nicht, wie später im Mittelalter, philosophisch oder dogmatisch erklärt oder definiert, sondern blieb ein Geheimnis, das mit Ehrfurcht betrachtet wurde. Die Glaubenden erwarteten, auf geistliche Weise mit dem Kreuzesgeschehen und miteinander verbunden zu werden. Das bewirkte für viele eine Stärkung im Glauben und im täglichen Leben.
Ein weiteres Merkmal eucharistischer Praxis war eine häufige, nicht selten wöchentliche Feier – die frühen Christen sahen darin einen essenziellen Bestandteil kirchlichen Lebens, nicht eine gelegentliche Zeremonie. Die äußere Form (ob mit ungesäuertem oder gesäuertem Brot) wurde unterschiedlich gehandhabt und es bestand keine einheitliche dogmatische Vorschrift diesbezüglich – entscheidend war die innere Haltung. Das Abendmahl galt nicht allein als heilig, sondern auch als verpflichtend – es forderte ein Leben in Umkehrbereitschaft und gemeinschaftlichem Miteinander.
Man kann diesen von tiefer Ehrfurcht geprägten Ansatz frühchristlicher Lehre über das Abendmahl als „Realismus“ bezeichnen: Die Christen erwarteten und erfuhren eine echte Begegnung mit dem auferstandenen Herrn – ohne den Anspruch, dieses Mysterium begrifflich voll fassen zu können. Diese Haltung unterschied sich deutlich von späteren Ansätzen und war begleitet von demütigem Umgang miteinander und einer Ethik, die Gottesdienst und Alltag miteinander verwob. Geschwisterliche Liebe wurde nicht nur gepredigt, sie war Lebensstil der frühen Kirche.
Das Abendmahl war eine Feier, die das Wesen christlicher Gemeinschaft konkret und erfahrbar machte, und zugleich eine Herausforderung, sich immer wieder in die Nachfolge rufen zu lassen. Das Zeugnis der frühen Kirche diesbezüglich lädt uns ein, den wahren Wert dieses Sakraments wiederzuentdecken und uns immer wieder neu daran zu erfreuen.
Ignatius an die Philadelphier (Kap. 4)
„Bemühet euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und (den) Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tuet, ihr tuet gemäß dem Willen Gottes.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 143.Ignatius an die Smyrnäer (Kap. 7,1)
„Von der Eucharistie und dem Gebete halten sie[, die Sonderlehren aufstellen über die Gnade Jesu Christi,] sich ferne, weil sie nicht bekennen, daß die Eucharistie das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus ist, das für unsere Sünden gelitten hat und das der Vater in seiner Güte auferweckt hat. Die nun reden wider die Gabe Gottes, die sterben in ihrer Streitsucht. Besser wäre für sie die Liebe, auf daß sie auch auferstehen.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 149–150.Ignatius an die Römer (Kap. 7,3)
„Ich habe keine Freude an vergänglicher Speise noch auch an den Vergnügungen dieses Lebens. Gottes Brot [Johannes 6,33] will ich, das ist das Fleisch Jesu Christi, der aus dem Samen Davids [Johannes 7,42; Römer 1,3; 2. Timotheus 2,8] (stammt), und als Trank will ich sein Blut, das unvergängliche Liebe ist.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35, München 1918, S. 140.Erste Apologie (Kap. 66)
„Niemand darf [an der Eucharistie] teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir [die Eucharistie]; sondern wie Jesus Christus […] Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, daß die durch ein Gebet […] unter Danksagung geweihte Nahrung […] Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei.“
Quelle: Die beiden Apologien Justins des Märtyrers, übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 12, 1913, S. 80–81/134–135.Gegen die Häresien IV 18,5
„[…] wie das von der Erde stammende Brot, wenn es die Anrufung Gottes empfängt, nicht mehr gewöhnliches Brot ist, sondern die Eucharistie, die aus zwei Elementen, einem irdischen und einem himmlischen besteht, so gehören auch unsere Körper, wenn sie die Eucharistie empfangen, nicht mehr der Verweslichkeit an, sondern haben die Hoffnung auf Auferstehung.“
Quelle: Des heiligen Irenäus fünf Bücher gegen die Häresien, übersetzt von Prof. Dr. E. Klebba, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 3, 1912, S. 58/380.Gegen die Häresien V 2,2
„Töricht in jeder Hinsicht sind die, welche […] behaupten, daß [das Fleisch] der Unvergänglichkeit nicht fähig sei. Wird aber dies nicht erlöst, dann hat uns der Herr auch nicht mit seinem Blute erlöst, noch ist der eucharistische Kelch die Teilnahme an seinem Blute, das Brot, das wir brechen, die Teilnahme an seinem Leibe [1. Korinther 10,16]. Blut stammt nämlich nur von Fleisch und Adern und der übrigen menschlichen Substanz, die das Wort Gottes in Wahrheit angenommen hat. Mit seinem Blute erlöste er uns, wie auch der Apostel sagt: ‚In ihm haben wir die Erlösung, durch sein Blut Nachlaß der Sünden‘ [Kolosser 1,14]. Und da wir seine Glieder sind, werden wir durch seine Schöpfung ernährt werden, und er selbst gewährt uns seine Schöpfung: läßt seine Sonne aufgehen und regnen, sagt, daß er uns den Kelch von seiner Schöpfung als sein eigenes Blut reiche [Matthäus 26,28], mit dem er unser Blut erquickt, und versichert, daß das Brot seiner Schöpfung sein eigener Leib ist [V. 26], mit dem er unsere Leiber erhebt.“
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 3, Kempten/München 1912, S. 155–156/477–478.Gegen Celsus VIII 33
„[…] wir aber […] essen die mit Danksagung […] über die Gaben dargereichten Brote, welche durch das Gebet ein gewisser heiliger Leib werden, der jene heiligt, die ihn mit verständigem Sinne genießen.“
Quelle: Des Origenes acht Bücher gegen Celsus, übersetzt von Hofrat Prof. Dr. Paul Koetschau, in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bde. 52–53, 1926, S. 338/770.