Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III 4,3

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Wir haben den Grundsatz, daß Gott nicht mit der sichtbaren Welt sein Schaffen begonnen habe, sondern daß vor dieser Welt eine andere gewesen sey, und nach ihr eine andere kommen werde. Willst du den Beweis, daß nach der Zerstörung dieser Welt eine neue seyn wird, so höre den Jesaja: (66, 22.) [,]es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde seyn, die ich vor mir erstehen lasse.‘ Willst du wissen, ob vor der Schöpfung dieser Welt andere Welten waren: vernimm, was der Prediger (1, 9. 10.) spricht: ‚Was ist es, das vorher war? Eben das, was hernach seyn wird. Was ist es, das früher geschaffen wurde? Eben das, was hernach geschaffen werden wird. Es geschieht auch nichts Neues unter der Sonne. Wer möchte sagen: das ist neu? Es ist schon gewesen in den Zeitläufen (Aeonen), die vor uns waren.[‘] Diese Zeugnisse beweisen, daß nicht bloß vor dieser Welt andere waren, sondern auch nach ihr wieder andere seyn werden. Uebrigens ist dieses nicht so zu verstehen, als ob alle diese Welten zugleich wären, sondern es folgt eine nach der andern.“

Vom Gebet (Teil 1, Kap. 6, Abschnitt 3)

abgefasst um 225 n. Chr. von Origenes

„Und in allen seinen vorherigen Anordnungen hat Gott entsprechend seiner Voraussicht einer jeden (künftigen) Tat des freien Willens für eine jede Regung desselben das nach Verdienst vorher bestimmt, was ihr auch seitens der Vorsehung zuteil werden, ferner aber auch nach dem Zusammenhang der künftigen Dinge begegnen wird, wobei für alle künftigen und durch den freien Willen entsprechend unserm Antrieb künftig bewirkten Dinge nicht das Vorauswissen Gottes Ursache ist.“

Origenes’ Kommentar zu Johannes X 4

abgefasst um 228 n. Chr. von Origenes

„Marcion, so denke ich, hat die heilsamen Worte in verkehrtem Sinne genommen, als er die Geburt Jesu aus Maria verworfen und behauptet hat, nach seiner göttlichen Natur sei er nicht aus Maria geboren. Darum hat er kühn die Stellen aus dem Evangelium getilgt, die solches bezeugen. Und ein gleiches Los scheinen jene erlitten zu haben, die seine Menschheit verwerfen und allein seine Gottheit annehmen. Wiederum aber gibt es andere, die in das entgegengesetzte Extrem verfallen, indem sie seine Gottheit leugnen und behaupten, er sei nur ein heiliger Mensch und der gerechteste unter allen Menschen gewesen.“

Origenes an Africanus

abgefasst um 240 n. Chr. von Origenes

„Lasst uns nun sehen, ob wir in diesen Fällen nicht zu dem Schluss gezwungen sind, dass, während der Heiland einen wahren Bericht über [gewisse Ereignisse] gibt, doch keine der Schriften gefunden werden kann, die beweisen könnten, wovon Er spricht. […] ‚Wenn wir in den Tagen unserer Väter gewesen wären, hätten wir nicht mit ihnen Anteil gehabt am Blut der Propheten.‘ [Matthäus 23,30.] Am Blut welcher Propheten, kann mir das jemand sagen? Denn wo finden wir etwas Derartiges geschrieben über Jesaja, Jeremia, Daniel oder irgendeinen der Zwölf [kleineren Propheten]? Was ist mit Zacharia, dem Sohn Barachias, der zwischen dem Tempel und dem Altar erschlagen wurde? Das erfahren wir nur von Jesus und wissen es sonst aus keiner Schrift. Dementsprechend halte ich keine andere Annahme für möglich, als dass jene, die den Ruf der Weisheit hatten, zusammen mit den Fürsten und Ältesten, jedes Schriftstück aus der Mitte des Volkes entfernten, das geeignet gewesen wäre, die Ältesten in Misskredit beim Volk zu bringen. Wir sollten uns also nicht wundern, dass diese Geschichte vom bösen Plan der zügellosen Ältesten gegen Susanna [Daniel 13] wahr ist. Doch sie wurde aus den Schriften entfernt von Männern, die selbst nicht sehr weit entfernt waren vom Rat solcher Ältesten.“

Gastmahl oder Die Jungfräulichkeit (Rede 8, Abschnitt 16)

abgefasst um 290 n. Chr. von Methodius von Olympus

„Ja, wer dem Menschen den freien Willen abspricht und ihn von unausweichlichen Notwendigkeiten des Schicksals und ungeschriebenen Gesetzen abhängig macht, der lästert Gott selbst, stellt ihn als Urheber und Schöpfer der menschlichen Sünden hin. […] Allein Gott ist keinem eines Schlimmen Urheber. So gibt es also kein Geburtsschicksal.“

Brief des Theonas von Alexandria an Lucianus (Kap. 7)

abgefasst um 300 n. Chr. von Theonas von Alexandria

„[Ptolemaios] Philadelphos wählte einen solchen Mann für diese Aufgabe aus und setzte ihn über seine edelste Bibliothek – ich spreche von Aristeas, seinem vertrauten Kammerherrn, den er auch als seinen Gesandten zu Eleasar sandte, mit höchst prächtigen Geschenken, als Anerkennung für die Übersetzung der Heiligen Schriften; und diese Person schrieb auch die vollständige Geschichte der Siebzig Übersetzer.“

Göttliche Unterweisungen VI 20

abgefasst um 304–313 n. Chr. von Laktanz

„Denn wenn Gott uns das Töten verbietet, untersagt Er nicht allein die offenbare Gewalttat, die selbst nach den öffentlichen Gesetzen nicht erlaubt ist, sondern Er warnt uns vielmehr davor, auch jene Dinge zu tun, die unter den Menschen als erlaubt gelten. Also wird es dem gerechten Menschen weder erlaubt sein, Krieg zu führen, denn sein Kampf ist ja die Gerechtigkeit selbst, noch wird es ihm gestattet sein, jemanden eines Vergehens zu bezichtigen, auf das die Todesstrafe steht; denn es ist kein Unterschied, ob man einen Menschen durch ein Wort oder vielmehr mit dem Schwert tötet, weil eben die Tat des Tötens an sich verboten ist. Somit darf es im Hinblick auf dieses Gebot Gottes gar keine Ausnahme geben; vielmehr ist es zu jeder Zeit unrecht, einen Menschen zu töten, den Gott als ein geheiligtes Lebewesen gewollt hat.“

Wider die Heiden II 14

abgefasst um 305 n. Chr. von Arnobius der Ältere

„Und um das Unbekannte offenbar zu machen, dies ist der wirkliche Tod des Menschen, jener, der nichts zurücklässt. Denn das, was mit den Augen gesehen wird, ist lediglich eine Trennung der Seele vom Leib, nicht das finale Ende – die Vernichtung: Dies, sage ich, ist der wirkliche Tod des Menschen, wenn die Seelen, welche Gott nicht kennen, in langanhaltender Qual von wütendem Feuer verzehrt werden, in welches gewisse überaus grausame Wesen sie werfen werden, die vor Christus unbekannt waren und erst durch Seine Weisheit ans Licht gebracht wurden.“

Wider die Heiden II 61

abgefasst um 305 n. Chr. von Arnobius der Ältere

„Eure eigenen Interessen stehen auf dem Spiel – ich meine das Heil eurer Seelen; und wenn ihr euch nicht darum bemüht, den Höchsten Gott kennenzulernen, erwartet euch, sobald ihr von den Fesseln des Leibes befreit seid, ein grausamer Tod, der keine plötzliche Vernichtung bringt, sondern durch die Bitterkeit seiner schweren und langanhaltenden Strafe zugrunde richtet.“

Wider die Heiden I 31

abgefasst um 305 n. Chr. von Arnobius der Ältere

„Aber vielleicht wagt es jemand – denn nur dies bleibt dem rasenden Wahnsinn noch zu tun –, ungewiss zu sein und Zweifel daran zu äußern, ob jener Gott existiert oder nicht; ob der Glaube an Ihn auf der erwiesenen Wahrheit zuverlässiger Belege beruht oder auf den Einbildungen eines leeren Gerüchts. Denn von denen, die sich dem Philosophieren hingegeben haben, haben wir gehört, dass einige die Existenz jeder göttlichen Macht leugnen, andere täglich untersuchen, ob es eine solche gibt oder nicht; und wieder andere den gesamten Bau des Weltalls durch zufällige Ereignisse und regelloses Aufeinanderprallen entstehen lassen und ihn aus dem Zusammentreffen verschieden geformter Atome bilden; mit diesen beabsichtigen wir keineswegs, uns jetzt auf eine Erörterung derart verkehrter Überzeugungen einzulassen. Denn die, welche vernünftig denken, sagen, dass es ein Zeichen noch größerer Torheit ist, gegen offenkundig törichte Dinge zu argumentieren.“

Über die Menschwerdung des Logos (Kap. 4)

abgefasst um 320 n. Chr. von Athanasius von Alexandria

„[…] die Übertretung des Gebotes warf [die Menschen] auf ihren natürlichen Urstand zurück, so daß sie […] mit Recht nach Ablauf der Zeit den Verlust ihrer Existenz zu gewärtigen hatten. Denn wenn […] sie erst durch das Eingreifen und die Menschenliebe des Logos ins Dasein gerufen wurden, so ergab sich als natürliche Folge, daß die Menschen […] mit ihrer Abkehr [von Gott] […] auch ihrer ewigen Existenz verlustig gingen, das heißt aber, daß sie der Auflösung anheimfielen und im Tod und in der Verwesung verblieben. Tatsächlich ist ja der Mensch von Natur aus sterblich, da er aus dem Nichts entstanden ist.“

Kirchengeschichte des Eusebius III 39

abgefasst um 320 n. Chr. von Eusebius von Cäsarea

„Papias bietet aber auf Grund mündlicher Überlieferung auch noch andere Erzählungen, nämlich unbekannte Gleichnisse und Lehren des Erlösers und außerdem noch einige sonderbare Berichte. Zu diesen gehört seine Behauptung, daß nach der Auferstehung der Toten tausend Jahre kommen werden, in denen das Reich Christi sichtbar auf Erden bestehen werde.“

Disputation von Archelaus und Manes (Kap. 32)

abgefasst um 320 n. Chr. von Hegemonius

„Einige der Engel, die sich weigerten, sich dem Gebot Gottes zu unterwerfen, widerstanden Seinem Willen; und einer von ihnen fiel tatsächlich wie ein Blitzstrahl auf die Erde, während andere, von dem Drachen bedrängt, Lust suchten in geschlechtlichen Verbindungen mit den Töchtern der Menschen und sich so selbst die verdiente Vergeltung der Strafe des ewigen Feuers zuzogen.“